Gottesdienst

Sonntag, 16. September 2012

Gegen halb 8 klopft es an meiner Tür: „Do you not go to church?“. Also schnell duschen, anziehen und dann ratlos rumstehen, aus der Tür gucken. Ich soll mit den anderen Volounteers in die Kirche gehen. Doch wo muss ich hin? Da laufen zufällig gerade 4 weiße Menschen vorbei, ich häng mich an sie dran, sie steigen in einen Kleinbus, in dem unglaublich viele schwarze Kinder sitzen, also frage ich, ob sie die Deutschen sind, und quetsche mich auf die Rückbank. Es sind sogar 5 Deutsche hier: Phillip, Lena, Leyla und Annika, die Volounteers von Kenosis und dann ist da noch Christina(Kristina?), sie wohnt nur auf dem Gelände und arbeitet in der Schule, wo sie Deutsch unterrichtet, das ist dort ab der 8. Klasse so üblich. Sie ist 23, und damit älter als die andern, die sind 18 oder 19. Obwohl alle schon länger hier sind (Annika schon 10 Wochen), ist es für sie auch das erste Mal in der Imbali Church, davor waren sie immer im deutschen Gottesdienst in Hayfields.

Die Kinder gehören alle zur Community, sie leben hier mit ihren Geschwistern und Müttern. Sich um sie zu kümmern, das ist unter anderem die Aufgabe der 4 Volounteers, die hier alle ein Jahr verbringen. Diese Kinder sind unglaublich laut! Alle rufen durcheinander, manche hören Musik und singen laut mit, andere sind interessiert und unterhalten sich mit den anderen Deutschen und auch ich werde nach meinem Namen gefragt, was dann sehr witzig für die Kinder ist, denn es gibt damit eine „Kristina No.2!“.

Auf dem Weg zur Kirche kommt man durch die verschiedensten Viertel. Es ist alles dabei, vom krassen Slum mit Wellblechdachhütten und manchem Lehmklumpenhaus, über Betonklotzhäuser mit buntem Anstrich, bis hin zu riesigen Villen mit großem Garten und Stacheldrahtzaun. Aber egal, wo man sich gerade befindet, es sind überall Menschen zu sehen, die ihrer Arbeit nachgehen, oder kleine Kinder, die zwischen den Häusern hin und her flitzen.

Bei der Kirche angekommen, unterhalte ich mich noch ein bisschen mit den Deutschen. Unter anderem stellt sich heraus, dass Annika die Manu kennt, weil beide bei den Vorbereitungswochenenden in Neuendettelsau waren (-> Mission – eine Welt).

Ein Gottesdienst in Südafrika ist lang (9.00-11.30h!), und sehr musikalisch. Schon beim Betreten des Gebäudes dringt mehrstimmiger Gesang an mein Ohr. In der Kirche sind Frauen verteilt, die einfach so alle zusammen ein Lied singen, das von einer älteren Frau angestimmt wird. Das immer wieder zwischen den Lesungen in der Bibel (ja, es gibt mehrere) und der Predigt. Liturgie und „Kirchenlieder“ sind aber auch vorhanden, und oft ist auch die Melodie bekannt. Es werden viele Lieder gesungen, man hört sich ein wenig in die Sprache ein, erkennt Aussprache und Muster. Aber verstehen kann ich immer noch nichts.

Da die Volounteers das erste Mal in dieser Kirche waren, sind wir alle vor, haben ein Lied gesungen („Da berühren sich Himmel und Erde“) und uns kurz vorgestellt. Das war im Voraus von einer Schwester (dessen Namen ich mir nicht merken kann) angekündigt worden. Die Lesungen und die Predigt waren auf Zulu, aber ein Mädchen hatte eine englische Bibel dabei, so konnte ich wenigstens verstehen, um was es ging!
Aber das Ganze zog sich ewig lang… Vor allem, weil man da sitzt, auf einfachen Holzbänken, und einfach eine Stunde lang voll gelabert wird, man aber nicht den Hauch einer Ahnung hat, worum es geht…!

Aber auch das ging irgendwann vorbei. Es ging dann nicht gleich zurück, sondern es wurde beim Einkaufszentrum gehalten, weil irgendwer was kaufen musste (ja, am Sonntag). Die Kids sind ausgestiegen, es lief laut Musik und so haben sie angefangen zu tanzen. Und was die alles drauf hatten! Stellt euch ein kleines Mädchen, vielleicht so 7 oder 8 vor, die einfach voll auspackt und abgeht! Und das mit einer besseren Qualität als ein Großteil der Tänzer, die man so sieht (-> Step-up-Style).
Außerdem haben sie sich die Kamera von Christina geschnappt und haben viele Bilder von sich gegenseitig gemacht, vor großen Autos, beim Tanzen, oder einfach so. Irgendwann kamen zwei kleine Mädchen (Namen zu kompliziert): „May I do your hair?“. Sie durften, und so hatte ich 10 Minuten später eine hübsche Anzahl von kleinen geflochtenen Zöpfchen.

Dann ging‘s aber wieder weiter und bald darauf waren wir wieder im Kenosis Retreat. Ich wohne ja im Schwesternhaus. Aber da keine Schwester da war, war auch das Haus zugesperrt. Ich hatte Hunger, hatte ja kein Frühstück gehabt, und müde noch dazu. Bin dann mit den Volounteers in ihr Haus, hab beim Abwaschen geholfen und dann wurde gekocht und gegessen. Spaghetti mit Tomatensauce. Kleiner Ekelfaktor: im Nudelkochwasser waren kleine schwarze Tierchen… Philipp hat die aber zum Glück alle rausgefischt.

Als die dann alle sich kurz hinlegen wollten, hab ich mich wieder aufgemacht, um nach der Tür zu gucken, war aber immer noch zu. Also bin ich ein wenig rumgelaufen, hab mir das Gelände angeguckt, und dann kam ein kleines Mädchen, Mandisa. Sie lief zu verschiedenen Dingen hin (z.B. einem Busch mit Blüten, oder einem Fenster) und fragte: „What’s this?“. Die Kinder wachsen hier zweisprachig auf. Zulu können selbst die Kleinsten, und Englisch kommt dann dazu, somit kann man sich auch mit den Kleinen eigentlich ganz gut unterhalten. Lustig ist, wenn sie was nicht auf Englisch wissen, passiert es oft, dass sie einfach auf Zulu antworten und man gar nichts versteht
J.

Also bin ich ein bisschen mit Mandisa herumgelaufen, zu verschiedenen blühenden Büschen und hab ihr erklärt, dass das alles „flowers“ sind. Ich hab sie auf dem Arm getragen und sie hat mir auf Zulu das Kommando gegeben, dorthin zu gehen. Und dann hab ich‘s auch irgendwann verstanden, aber gemerkt hab ich‘s mir nicht.
Sie hat mich dann auch zu Christinas Haus geführt, sie lebt in einem Haus, das eigentlich für viel mehr Leute gedacht ist. Sie lebt dort nur zur Miete, weil sie nicht bei Kenosis sondern in der Schule arbeitet. Sie ist ein halbes Jahr hier. Irgendwann kam auch eine Schwester nach Hause und ich bin in mein Zimmer.

Nach dem ich mich ein wenig ausgeruht hatte, bin ich raus, um ein paar Bilder zu machen. Als ich zurück komme, kommt mir eine größere Gruppe Leute entgegen, es sind die Deutschen und ein paar Jungs, die spazieren wollten. Also bin ich mit.
Die Kids sind echt so leicht zu begeistern, ständig kam einer her: „May I please, madame!“ und wollte meinen Foto um Bilder zu machen. Irgendwann hab ich einfach nein gesagt.
Aber ein paar schöne Bilder sind trotzdem rausgekommen. Was ich an südafrikanischen Kindern bewundere: sie sind so begeisterungsfähig und leidenschaftlich und aktiv und fröhlich! Es macht einfach wahnsinnigen Spaß ihnen zuzusehen, sie haben die abgefahrensten Ideen, ständig versuchen sie sich gegenseitig zu übertrumpfen.

Wir sind dann wieder zurück, zur Fußballwiese, da kamen uns dann auch schon die anderen Kinder entgegen, unter anderem Mandisa. Ständig hieß es: „Me, me!“ und dann sollte ich entweder ein Bild machen, oder sie wollten ein Bild machen, ich hab die Kamera gehalten und ausgelöst, sie nur auf den Bildschirm geguckt, das war schon faszinierend genug. Also hatte ich viele viele Bilder von süßen, kleinen, lächelnden Kindern. Hab aber einige gleich wieder aussortiert, weil sie nichts geworden sind, oder einfach viel zu viele vorhanden waren. Mandisa hat mich nicht mehr losgelassen, hat mit mir gekuschelt, auf meinem Rücken rumgerutscht und wollte ständig Bilder. Ich hab sie gelassen, weil ich sie vermutlich sowieso nicht mehr wirklich oft sehe, weil ich ja ab irgendwann in der Stadt wohne.

Als es langsam gedämmert hat, gegen 17.30h, bin ich wieder zurück zum Schwesternhaus. Ich hab keine Ahnung, wie lange ich jetzt hier noch sein werde. Jetzt ist es stockfinster, es ist aber gerade mal viertel 8. Ich bezweifele, dass ich heute noch irgendwohin gehen werde, als ins Bett.

Ich fand es heute wirklich schön, auch wenn ich merke, dass ich einfach noch ein wenig brauche, bis ich in die Gemeinschaft der Volounteers voll integriert wäre. Aber es ist schade, dass ich dann in der Stadt niemand habe. Außer ich mache was aus mit den andern, oder besuche sie, wenn ich mal Zeit habe. Es ist schön bei Kenosis, mit den Kindern und den anderen Deutschen. Da frage ich mich manchmal, warum ich nicht den einfacheren Weg gewählt habe, über Neuendettelsau, dann könnte ich das Ganze länger haben, und viel erleben. Aber keine Sorge, ich komme nach 3 Monaten wieder und werde auch so Spaß haben. Die Menschen hier sind echt einfach offen und herzlich und man fühlt sich schnell angenommen.
Ich bin nur echt gespannt, wann das mit dem „Umziehen“ alles mal etwas klarer wird und ich meinen Koffer irgendwo auspacken kann!!

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