Neue Umgebung

Montag, 17. September 2012

 

Es gibt so viel zu sehen, und so vieles ist so unterschiedlich zu Deutschland, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Ich werde vermutlich auch nicht hinterher kommen und alles aufschreiben können. Dazu sind es einfach viel zu viele Eindrücke.

Ich bin jetzt bei Familie Mahaye. Es gibt zwei Söhne, 14 und 9. Ich habe ein recht großes Zimmer, mit riesigem Bett, auf dem tausende Schichten von Decken und Tagesdecken liege, ich komme mir ein wenig vor wie die Prinzessin auf der Erbse :)
. Problem: ich habe keinen Kleiderschrank! Also heißt es wohl 3 Monate aus dem Koffer leben!!

Das Haus ist für südafrikanische Verhältnisse groß, und dafür, dass nur vier Personen hier drinnen leben, eigentlich auch für deutsche. Allerdings ist es keineswegs zu vergleichen. Irgendwie ist alles nicht ganz sauber, mein Zimmer ist okay, aber so an der Decke (welche nicht vorhanden ist, da ist nur das Wellblechdach) oder in irgendwelchen Ecken ist es schmuddelig. Aber nicht schlimm eigentlich. Ich denke, es ist bestimmt schwierig, so ein Haus sauber zu halten, wenn es einfach überall außen schmutzig ist und staubig.

Aber jetzt wieder anschließend zum letzten Bericht. Gestern Abend nach dem Abendessen (Putu=Reis/Hirse-ähnliches Getreide; typisch für Südafrika), habe ich Sr. Happiness geholfen. Sie ist dabei Deutsch zu lernen und hat viele Übungsaufgaben zu machen. Problem dabei ist, dass viele Wörter unbekannt sind und Deutsch einfach ne doofe Sprache ist, die kaum Regeln hat, die einem das Lernen erleichtern würden. Also habe ich mit ihr ein paar dieser Aufgaben gemacht und versucht, ein paar Regeln zu erklären. Es ging unteranderem um die Vergangenheitsform oder den Genetiv.

Am nächsten Morgen habe ich ein paar Bilder verkleinert, damit ich sie besser hochladen kann. Dann, so gegen 10.30h, hat Sr. Happiness mich in die Stadt gefahren, zur Creche (doch eher ein Kindergarten, was das Alter der Kinder angeht), in der Rev. Mahaye arbeitet, und von der ich dachte, dass ich da auch arbeiten werde. Also kurz reingeschaut, den Kindern „hallo“ gesagt und dann sind wir mit Rev. Mahaye zu ihrem Haus gefahren. Im Auto hab ich erfahren, dass ich doch in einem anderen Creche arbeiten werde, da dieser schon genug Betreuerinnen hat.

„Mein“ Creche ist deutlich näher am Haus, deshalb kann ich hinlaufen, beim anderen hätte ich das Taxi nehmen müssen, jeden Tag. Aber er ist auch deutlich ärmer. Die Anzahl der Kinder ist nahezu gleich, es ist aber nur eine Betreuerin da, und es gibt nur zwei winzige Räume. Ich werde eine eigene Gruppe Kinder bekommen, mit denen ich dann male, spiele oder sonst was tun werde. Mir wurde gesagt, dass ich Zulu lernen müsste, weil nur die wenigsten Kinder Englisch könnten. Aber ich soll von den Kindern lernen, die seien gute Lehrer
J. Also mal sehen, was das wird, wenn ich da morgen das erste Mal hingehe. Arbeiten muss ich von halb 8 bis 12, aber dann muss ich warten, bis alle Kinder abgeholt wurden.

Dann ging es zum Haus und Sr. Happiness verabschiedete sich. Falls ich irgendein Problem hätte oder irgendwas nicht passen würde, soll ich mich einfach bei ihr melden und sie versucht dann was zu machen. Außerdem gab sie mir noch auf den Weg, dass falls ich ausgeraubt werden würde, ich auf keinen Fall versuchen sollte, das Zeug wieder zu bekommen, sondern einfach froh sein sollte, dass mir nichts passiert ist, ebenso, falls ich bedroht werden sollte, einfach Tasche her reichen und hoffen, heil davon zu kommen. Sehr beruhigend…

Nachdem ich mich ein wenig zum Lesen hingehockt habe, bin ich mit Rev. Mahaye (ihren Vornamen weiß ich nicht, bzw. kann ihn mir nicht merken, weil ich ihn immer nur gehört hab) ins Einkaufszentrum. Es sind vielleicht 5-10 Minuten zu laufen, also echt okay. Ich wurde mehr oder weniger unauffällig angestarrt. Kommt wohl nicht so oft vor, dass sich Weiße in ein Township verlaufen. Das Einkaufszentrum ist riesig und beherbergt auch einen McDonalds. Alle anderen Läden sind unbekannt. Mir wurde eine Prepaidkarte besorgt, da ich versucht habe, Geld abzuheben, aber noch nichts auf dem Konto ist. Im „Pick ’n‘ Pay“ haben wir dann Unmengen eingekauft, sie hat mich ständig gefragt, was ich denn haben will. Ich hab so die Befürchtung, dass ich wohl immer alleine kochen werde. Zumindestens Mittags. Aber das schaffe ich schon, Nudeln mit Soße oder Packungssuppe gehen immer
J.

In Südafrika findet man an der Fleischtheke auch Hühnerinnereien/-herzen/-luftröhren/-füße zu kaufen, oder ganze Kuhköpfe, noch mit Fell und Schnauze. Apropos Kühe: die laufen hier einfach frei in der Stadt herum, da kommt es schon mal vor, dass man ihnen auf der Straße mit dem Auto ausweichen muss. Was sonst noch so frei herumläuft: Ziegen, Hühner und sogar Affen. Auf dem Weg zum Einkaufscenter lag am Wegrand ein toter Hund. Einfach so. An den Straßenrändern und auch zwischen den Häusern liegt unglaublich viel Müll. Noch sind zwar viele grüne Pflanzen vorhanden, aber das liegt daran, dass es hier sie letzten Woche viel geregnet hat. Jetzt ist das Wetter schon deutlich Afrika-typischer, mit wolkenlosem Himmel, warmer Luft und einer Sonne, die unbarmherzig runter brennt.

Das mit dem Kleider-Code stimmt so irgendwie nicht ganz. Also ich mein, ich habe jetzt schon sehr häufig Frauen mit kurzen Kleidern und Röcken gesehen, sogar gestern in der Kirche. Ich hätte also ohne Probleme meine Sommerkleidchen mitnehmen können, jetzt muss ich es leider in langer Hose aushalten, was aber vielleicht sowieso keine schlechte Idee ist, da ich ja nicht verbrannt werden will. Heute habe ich noch keine Sonnencreme verwendet, ich hab‘s einfach vergessen, und jetzt hoffe ich, dass ich keinen Sonnenbrand davon getragen habe.

Wenn ich mir das Haus und die Umgebung hier so ansehe, dann merke ich erst, was für ein Luxus bei der Kenosis-Community doch gegeben ist. Ich hatte Menschen um mich, die ebenfalls neu im Land waren, die Anlage war abseits der Stadt und somit irgendwie sicherer gelegen, ich hatte Internet.
Hier fühle ich mich irgendwie ein wenig einsam und fremd. Was vermutlich daran liegt, dass ich einsam und fremd bin. Ich hoffe aber, dass sich das recht schnell ändert… Was das Internet angeht, hier im Haus gibt es definitiv keinen Internetanschluss. Ich war zwar in der Mall heute, aber die ist so riesig, dass ich nur einen Bruchteil davon gesehen habe. In dem Teil, den ich gesehen hab, war kein Internetcafé. Sr. Happiness meinte aber, dass es hier sicher eines gibt, also werde ich einfach morgen oder so mal nach der Arbeit hingucken und mich schlau machen.

Eines ist jetzt schon klar: wenn ich wieder zurück bin, werden meine Ansprüche ziemlich niedrig sein! Denn in 3 Monaten hat man genug Zeit sich an die Gegebenheiten zu gewöhnen und damit abzufinden. Das werde ich also auch schaffen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja auch was, dass ich vielleicht doch noch ab und zu was mit den Volounteers von Kenosis zu tun haben werde. Die Amerikanerin werde ich höchstwahrscheinlich nicht kennenlernen, die arbeitet direkt beim Creche, bei dem ich nicht sein werde, das wäre so perfekt gewesen. Naja, so spare ich mir wenigstens die Taxikosten.

Jetzt, wo ich einen festen Wohnsitz habe, wird es auch möglich sein, mir Briefe zu schreiben. Adresse fuege ich hinzu, sobald ich sie erfahre!!

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Kommentare: 1
  • #1

    u=7360 (Sonntag, 28 April 2013 18:03)

    This is an excellent article! Thank you for sharing!