Creche

Dienstag, 18. September 2012

 

Okay, das mit dem Komfort, begreife ich jetzt noch besser. Als ich heute morgen duschen wollte, musste ich feststellen, dass es leider keinen Duschkopf gibt, sondern nur die Wassereinlasshebel. Aber da kommt auch nur kaltes Wasser raus. Also hat Mmd. Mahaye Wasser für mich erhitzt und die Wanne geschüttet. Es war aber trotzdem kaum was, und dann wollte ich auch nicht zu viel Wasser nehmen, wegen seltenem Gut und so. Ich hab es dann schließlich doch irgendwie geschafft, mich zu duschen. Dann ist mir aufgefallen, dass ich kein Handtuch habe, und im Bad, das sich übrigens nicht absperren lässt, nur ein einziges hängt, mit dem ich mich dann auch abgetrocknet habe. Ich werde mir wohl eines kaufen müssen. Wie ich das dann noch in den Koffer bekomme, das weiß ich noch nicht.

Zum Frühstück gab es Grieß in Wasser gequollen, also Grießbrei nur mit Wasser statt Milch. Aber wenn man etwas Milch hinzugibt und viel viel Zucker, dann schmeckt das Ganze sogar nach was. Allgemein sind hier viele Sachen furchtbar süß. Man hat das Gefühl, man hätte nur Zucker im Mund. Aber wenn man den Saft dann sehr verdünnt, dann kann man ihn sogar trinken.

Gegen halb 8 bin ich dann zur Creche. Ist ja bloß ein paar Schritte von meinem Haus entfernt. Es waren noch nicht wirklich viele Kinder da. Mir wurden ein paar Zettel in die Hand gedrückt, auf denen auf Englisch ein ungefährer Ablauf eines Kindergartentages beschrieben war. Den hab ich mir durchgelesen und versucht, ein Konzept zu finden. Bis 9 Uhr gab es nichts zu tun. Die Kinder wurden gebracht, ich wurde vorgestellt und die Kinder haben gespielt, bzw. getobt und mich mit großen Augen angeguckt. Was wirklich neu war für mich: die vielen jungen Kinder und auch Mütter. Es sind drei Babys hier, ein winziges, das vielleicht höchstens 3 Monate alt ist, dann Lusanda, ca. 6 Monate und Sianda, 11 Monate alt. Die Mütter der beiden kleineren Babys gehen noch zur Schule, eine ca. 15, die andere könnte schon 17 sein. Und noch was, es kam eine Frau mit zwei Kindern rein, und wurde vorgestellt: „This is the mother of Anele, and the Grandmother of ___“. Anele ist ungefähr 4, das andere Mädchen, mit schwerem Namen vielleicht 1 oder 1 ½. Sie ist so winzig, sie geht mir nicht mal bis zum Knie! Aber sie kann schon laufen.

Dann ging es los mit dem „Morning Ring“. Die Kinder stellen sich in einen Kreis, fassen sich an den Händen und sangen ein paar Lieder. Es ist schwierig rauszuhören, ob es ein Zululied oder ein englisches Lied ist, da beides ein wenig ähnlich klingt, weil es eben noch Kindergartenkinder sind, die außerdem sowieso „Black English“ sprechen. Und ich habe auch oft Schwierigkeiten die Erwachsenen zu verstehen. Nach ein paar Liedern haben sich alle auf den Boden gesetzt. An der Wand hängen Lernplakate, Monate, Zahlen, Formen, Vokabeln, alles Englisch. Erst ging es um das Wetter heute. An der Tafel stand dann: „Today is Tuesday. It is sunny.“. Das haben die Kinder dann auch alle zusammen wiederholt.

Dann wurden die Wochentage besungen, auf Englisch und auf Zulu. Ich hab versucht zuzuhören und sie mir zu merken, aber es sind völlig fremde Laute, und ich hätte sie gerne schriftlich, zum besseren Einprägen. Das ist auch das Problem, dass ich mit den Namen habe. Sie sind einfach nicht vergleichbar mit europäischen Namen, die einem bekannt vorkommen, sondern sind Aneinanderreihungen von scheinbar zufälligen Silben. Okay, einige Namen sind einfacher, wie zum Beispiel Anele oder Nkosi. Aber das sind auch die Kürzesten! Aber zurück zu den Wochentagen: Samstag ist unaussprechbar für mich, weil es einen Klicklaut enthält, ein Schnalzen mit der Zunge, und das mitten im Wort!

Mit den Zahlen ging es dann genauso, erst auf Englisch bis 20 und dann auf Zulu. Auch die Monate wurden auf Englisch aufgesagt. Nach Dezember kommt: „December 25 is Christmasday. Jesus was born!“. Allgemein sind viele Lieder auf Jesus bezogen. Was auch in Deutschland nicht vorkommt, sind die Kinderrechte, diese werden hier gemeinsam wiederholt, natürlich auf Englisch. Genauso wie die Formen. Als Vokabeln gibt es: „mother“, „time“, „table“, „pencil“, „chair“, „woman“, „parcel“, „wall“, „door“, „money“ und noch ein paar, die ich jetzt gerade nicht mehr weiß. Ich vermute mal, dass dies die ersten Worte sind, die ich auf Zulu kann, weil sie immer als Paar aufgesagt werden.

Irgendwann war Essenspause. Ich habe mich mit den Kindern in den anderen Raum gesetzt und ihnen zugesehen, bzw. hier eine Tüte und dort ein Jogurt geöffnet. Ach ja, niemand braucht sich wundern, warum Südafrikaner fast alle recht rund sind. Wenn man den kleinen Kindern in den Kindergarten kleine Chipstüten, süße Jogurts oder Lollis mitgibt und sonst nichts gescheites, dann muss man sich auch nicht wundern, dass die Kinder sich daran gewöhnen und auch so immer gerne Snacks und Süßigkeiten essen. Noch ein Nachteil dieser Ernährung: fast alle Kinder haben furchtbar schlechte Zähne, bei manchen sind schon halbe Zähne vom Karies zerfressen. Ich frage mich, ob die das nicht spüren, oder warum sie einfach weiter leben, ohne etwas zu machen!

Und außerdem essen alle Südafrikaner riesige Portionen… ich hoffe immer, dass es nicht zu blöd kommt, wenn ich oft gerade mal die Hälfte von ihren Portionen auf meinen Teller tue. Ich versuche dann, etwas langsamer zu essen, damit ich nicht zu früh fertig bin und einen Nachschlag ablehnen muss. Ich platze sonst!! Doof ist es nur dann, wenn die Portionen schon auf dem Teller sind, so wie in der Creche heute Mittag. Dann hilft alles nichts, und ich muss da durch. Und wenn ich von großen Portionen rede, dann meine ich auch echt große Portionen!! Also nicht, dass ich einfach nur wenig esse…

Die großen Kinder, also so Vorschulalter, so 4-5, haben irgendwann außen gemalt und versucht die „4“ zu lernen. Manche hatten es voll drauf, andere sind nicht über wahllose Strichkombinationen rausgekommen. Das kleinste Baby war die ganze Zeit in einem separaten Raum, wo es die meiste Zeit geschlafen hat. Die anderen beiden Kleinen lagen im Raum ohne Tafeln auf einem Bett, dass dort steht. Mal geschlafen, mal geweint, mal getrunken. Irgendwann hat die Größere den Kleineren ins Ohr gebissen. Einfach so. Ich war nicht dabei, also kann ich nicht genau sagen, was dazu geführt hat. Was mir aber ein wenig missfallen hat, war, dass die Kleinen sehr oft einfach alleine gelassen wurden. Ich hatte oft Angst, dass die einfach runterfallen oder sonst was passiert, also hab ich immer mal wieder nach ihnen gesehen, vor allem auch, wenn sie geweint haben. Die Crecheleiterin, eine runde Frau, fast 50, meinte irgendwann, dass ich drauf schauen sollte, sie still zu kriegen, weil ich die Kinder nicht immer auf den Arm nehmen kann, wenn sie weinen: „No one can afford this!“. Ich hab trotzdem versucht, weinende Kinder zu trösten, in dem ich sie auf den Arm genommen hab, oder sie gestreichelt habe.

Beim „Second Ring“ waren alle außen und es wurden wieder viele Lieder gesungen, diesmal viele mit Bewegungen und fast alle Englisch.
„Right arm, and left arm, and shake your body (gesprochen: Buudi), and swing your arms!” oder “Sing a melody in my house” oder “Forewards and backwards and side by side and turn around”. Die Kinder singen echt voller Begeisterung und tanzen und können tausende verschiedene Lieder mit unzähligen Strophen auswendig. Beim „Second Ring“ gingen schon die Streitereien los, wer neben mir stehen darf und meine Hand bekommt. Allgemein wollten mich alle anfassen, mein Gesicht, meine Beine, meine Hände. Es kommt vermutlich nicht so oft vor, dass sie weiße Menschen treffen.

Ab morgen bekomme ich eine Gruppe mit 10 Kindern (5 Mädchen, 5 Jungs), mit denen ich dann völlig frei arbeiten soll und wenn möglich nur Englisch reden soll: „Die werden dich schon verstehen, im Notfall benutzt du Zeichensprache!“. Was anderes bleibt mir auch nicht übrig, schließlich kann ich kein Zulu. Das scheinen die Kinder aber noch nicht zu wissen, auf jeden Fall fragen sie immer wieder was und ich weiß einfach nicht, was sie meinen! Ich hoffe aber, dass sich auch das bessert. Ich werde erstmal die Namen lernen müssen, und dann werde ich wahrscheinlich ähnliches machen, wie ich heute bei Lundi (die andere Erzieherin) gesehen habe. Ach, ich bin übrigens „Miss Krisi“ oder „Teacher Krisi“. Es ist ein Mädchen dabei, die mich ein wenig an die Luisa erinnert, also meine kleinste Schwester. Sie ist ein kleiner Wildfang, ständig am Toben und Machen und Quatschen. Und sie hängt sich gerne an große fremde Menschen dran, sobald sie weiß, dass diese harmlos sind.

Immer wenn ich was sage, werden alle still und betrachten mich aus großen, dunklen und manchmal furchtsamen Augen. Sie sind schon echt süß. Und sie wirken auch fröhlich und zufrieden und stören sich nicht an dem nicht vorhandenen Komfort (-> sie pinkeln in Eimer!!). Auch der wenige Platz scheint ihnen nichts aus zu machen. Sie sind einfach Kinder, die zum Spaß haben nicht viel brauchen und an so einem Ort einfach zusammen mit anderen Kindern spielen können und alles andere vergessen. Das macht die Arbeit mit ihnen echt bereichernd, so anstrengend sie auch ist, da sie wahnsinnig laut sein können und ständig in Bewegung sind. Man kann gar nicht nicht fröhlich sein. Möglich, dass es mir nach einer oder zwei Wochen zum Hals raushängt, aber bis jetzt ist es schön und ich habe das Gefühl, dass es drei schöne Monate werden können.

Ab 13.00 Uhr wurden nach und nach die Kinder abgeholt, die letzten um halb 4. So lange war ich da, hab mich mit der Leiterin unterhalten (Namen erfahre ich noch). Von ihr habe ich auch noch mal eine Bestätigung bekommen, dass in der Mall ein Internetcafé ist. Weil meine Gastmutter gestern Abend meinte, dass es keines in der Mall gibt und das nächste in der Stadt ist, wo sie mich hinbringen könnte, was aber vermutlich nicht öfter als einmal pro Woche möglich wäre. Die Leiterin hat zwei Töchter, eine ist Lundi, die andere geht noch zur Schule, Name ebenfalls unbekannt bzw. vergessen, in die 11. Klasse, also ist sie so 16 oder 17. Sie scheint mir recht sympathisch und wer weiß, vielleicht lerne ich sie ja ein bisschen besser kennen und muss dann nicht alleine in die Mall.

Ich saß dann, als alle Kinder weg waren mit der Familie der Leiterin in ihrem Wohnzimmer (direkt neben den Räumen vom Creche) und habe Fern gesehen. So gegen halb 5 hab ich dann verlauten lassen, dass ich mich jetzt auf den Weg nach Hause mache. Sie meinten nur, dass sie interessiert daran wären, was man so in Deutschland isst. Weil Südafrikanisches Essen ist immer Reis (oder Putu) mit Hühnchenfleisch und irgendeinem Gemüse. Hab ich bis jetzt 4 von 4 Malen gegessen. Also soll ich mal mit ihnen in die Mall und da einkaufen, um ihnen zu zeigen, was man so für Zutaten in Deutschland oder allgemein Europa so benutzt und dann mit ihnen zusammen kochen, um es ihnen beizubringen. Ich habe keine Ahnung, was ich da nehmen soll. Weil die typischen deutschen Gerichte sind nicht so leicht, also so ganz ohne Rezept und so. Aber vermutlich lass ich sie einfach mal Nudeln mit Hackfleisch- oder Gemüsesoße machen
J. Weil das wird bei uns ziemlich häufig gegessen und dürfte eine kleine Abwechslung darstellen.

Es sieht also so aus, als hätte ich quasi zwei Familien. Eine bei der ich wohne und frühstücke und Abendessen und abends vor dem Fernseher sitze (andere Familienaktionen kennen sie anscheinend hier nicht). Und eine, bei der ich den Vormittag und frühen Nachmittag verbringe. Wobei der Tag eigentlich vorbei ist, wenn ich heimkomme, so wie heute um halb 5, weil ich hatte nur kurz Zeit zum Schreiben, dann wurde es dunkel und dann gab es Essen. Ich dachte immer, dass es schon bei uns im Winter sehr früh dunkel wird, aber das ist nichts zu hier, wo es um halb 7 spätestens stockfinster ist, aber ich glaube, das habe ich bereits einmal erwähnt.

Ich stehle mich irgendwann vom Fernsehen, weil es irgendwie nicht das ist, was ich mir so unter schönem Abend vorstelle, um zu lesen, bevor ich schlafe. Aber ich denke, dass mir das niemand übel nimmt, denn auch die beiden Söhne sind nicht die ganze Zeit vorm Fernseher. Ich schlafe hier so wahnsinnig viel! 9-10 Stunden sind da Normalfall und das, wo ich zuhause nie lange schlafen kann, also normal. Und ich könnte auch noch viel länger im Bett liegen bleiben, es ist warm und gemütlich und nicht einmal ein bisschen Licht stört mich hier.
  Warm ist es aber in der Nacht nur, weil ich mit langer Jogginghose und dicken Stricksocken unter der Decke liege. Die Nächte sind nämlich ziemlich kalt. Und das wenn tagsüber die Temperaturen schon jetzt, im frühen Frühling auf 30°C klettern. Ich bin ja mal gespannt, wie warm es noch werden wird, wenn es dann auf den Sommer zugeht. Und Weihnachten :)
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