Hochzeit auf Südafrikanisch - Teil 1

Samstag, 22. September 2012

Morgens um 6 Uhr aufstehen, duschen, dann mit Kristina frühstücken und ein bisschen plaudern. Dann sind wir zum Volounteerhaus, wo uns die anderen 5 schon entgegengekommen sind. Wir waren auf dem Weg zu einer Hochzeit. Und wie das bei modernen Zulu so üblich ist, dauert diese 2 Tage lang, erst kommt eine „westliche“ Hochzeit, am Sonntag folgt dann die traditionelle Zuluhochzeit. Eingeladen waren wir, weil der Bräutigam (->engl. Groom) ein Cousin von einer Frau im Dorf war. Also haben wir uns mit Khelo (ein Mädchen aus dem Dorf, 15) und einer anderen Frau um 7 Uhr getroffen und sind den Weg zur großen Straße gelaufen, ist schon eine Strecke, weil das Retreat recht abgelegen liegt.

 

Da haben wir dann auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet, es hieß, um halb 8 fährt ein Bus in Richtung Stadt. In Südafrika ist das ein bisschen anders, als man es in Deutschland gewohnt ist. Natürlich kann man sich ein Taxi rufen, aber das kostet sehr viel. Billiger ist es, Minitaxis zu nehmen, diese sind Kleinbusse, mit 16 Sitzplätzen, die eine bestimmte Strecke fahren und man unterwegs ein- und aussteigen kann, nach Belieben. Minitaxis sind sehr oft überfüllt und die Fahrer sind nicht unbedingt sehr sicher, weil sie gerne mal rasen, rote Ampeln ignorieren und ihr Taxi sehr voll stopfen.  Auch fahren die nicht nach einem festen Zeitplan, sondern wenn sie voll sind. Diese Fahrmöglichkeit kostet 12 Rand pro Person.
Dann gibt es noch Busse und kleinere Busse für 7 bzw. 10 Rand, unabhängig, wo man hinwill. Wir haben einen kleinen Bus genommen, der wie erwähnt eigentlich um halb 8 vorbeikommen sollte, aber dann doch erst gegen 8 aufkreuzte.

 

Am Capitol Center, einer Mall in der Innenstadt sind wir dann ausgestiegen und haben wieder gewartet. Ein Verwandter des Bräutigams hat uns dann abgeholt und wir haben uns auf der Ladefläche des Pick-Ups gemütlich gemacht. Es war kalt, also auch so schon und dann kam noch der Fahrtwind hinzu… Wir sind aus Pietermaritzburg rausgefahren und dann irgendwo anders hin, zum Haus der Familie des Bräutigams. Da konnten wir unsere Taschen ablegen, denn dort würden wir auch übernachten. Dann hat uns der Pick-Up-Fahrer zur Kirche gefahren.

 

An der Kirche haben wir sehr gut das Prinzip der „african time“ kennengelernt, das eigentlich nur bedeutet: wenn du pünktlich bist, musst du warten. Denn Afrikaner lassen sich Zeit, machen sich keinen Stress und lassen es auf sich zu kommen. Wir waren ab 9.45 vor bzw. in der Kirche und haben zugesehen, wie nach und nach immer mehr Leute kamen. Als wir Khelo dann gefragt haben, wann der Gottesdienst denn anfängt, meinte sie: „Wenn das Brautpaar da ist!“. Das wiederum hat sich Zeit gelassen und tauchte erst so gegen halb 12 auf.

 

Der Gottesdienst war auf Zulu, von dem her haben wir nicht viel verstanden, aber es war vermutlich ähnlich dem, was bei uns auf Hochzeiten gesagt wird. Ein Unterschied: alles war mit viel Musik unterlegt, also die „Bestmen“ und „Bridemaids“ sind zu Musik eingezogen, Thema der Hochzeit war pink, so also die Kleider der Brautjungfern und auch die Westen und Krawatten der Trauzeugen. Der Einzug der Braut, geführt von ihrem Vater, ebenfalls mit Musik. Dann das Übliche, zwischendurch hat der Chor gesungen, und zwar echt gut! Es gibt so viele Südafrikaner mit wahnsinnig guter Stimme! Es gab auch einen Auftritt von einer Gruppe, die aus 5 Frauen und 6 Männern + Keyboard und Schlagzeug bestand, und es war ein Solosänger und dann die Gruppe eben, die gesungen haben, so wie man sich das afrikanisch eben vorstellt, schön mit Call und Response.

 

Nach dem Gottesdienst ging es dann, nach etwas warten, laufen und einer Fahrt im Minitaxi, zum Saal, der echt krass geschmückt war, mit viel weißem Tuch, das so drappiert war, dass es aussah wie ein großes Zelt und natürlich ganz viel Pink, Rosa und Lila. Aber rein durften wir erst, nachdem wir nochmal eine oder zwei Stunden gewartet hatten. Dann, wurden wir, die Weißen, extra reingeführt, wir waren sozusagen VIPs. Da saßen wir dann auch erstmal wieder eine Weile, bis es dann irgendwann mal Essen gab, das ging Tischweise. Man hat sich angestellt und dann einen Teller voll gehäuft bekommen mit Reis, Roter Bete, Kürbismus, Chakalaka (Gemüse in sehr scharfer Soße), einem Hühnchenschenkel, und etwas, das so ähnlich war wie Gulasch. Hat auch echt ganz gut geschmeckt. Dann kam das Brautpaar, wieder in einer festlichen und musikalisch unterlegten Zeremonie und es folgten viele Reden und zwischendrin war immer Musik von der Gruppe aus der Kirche. Die war echt gut! Aber da wir vorne, direkt neben den Verstärkern saßen, auch unglaublich laut… 

Der Nachtisch war prinzipiell sehr primitiv, hat aber ziemlich gut geschmeckt, es waren zerbröselte Kekse, dann kam eine Vanillecreme mit Aprikosenstückchen und oben drüber geraspelte Schokolade mit Minzstückchen.


Nach dem Torteanschneiden sind wir gegangen, also nachdem Philipp auf die Bühne gebeten wurde und zwei Sätze gesagt hatte, von wegen wie sehr wir uns freuen, eingeladen zu sein und das das eine große Ehre für uns sei und Glückwünsche und Gottes Segen und so.

 

Wir sind wieder mit dem Minitaxi gefahren, dann da in dem Raum, wo wir dann schlafen sollten, standen Sofas und es gab einen Fernseher, also haben wir uns hingesetzt und einen Moment ausgeruht. Dann wurde uns ein Spiel gebracht. Im Wesentlichen war es ein Spiel zur Aufklärung über HIV und andere solchen Dinge, auf Englisch natürlich. Es gab einen Spielplan, auf dem man durch Würfeln eben Felder gegangen ist. Ereignisse waren dann so etwas wie, du hast deine Freundin geschwängert und sitzengelassen, zwei Runden aussetzen. Oder man musste Fragen beantworten, die waren in Kategorien unterteilt, wie „Schwangerschaft“, „HIV“, „Sexueller Missbrauch“, und noch zwei, die ich gerade vergessen habe. Es gab auch „Take a Chance“-Karten, die verschiedene Fragen oder auch Ereignisse enthielten.

War ganz lustig, das zu spielen.

 

Unterbrochen wurde es, als uns Essen gebracht wurde. Es ist anscheinend eine Höflichkeitsgeste, Gästen immer Essen zu geben. Es gab Putu mit Spinat und einem Hühnchenschenkel (ihr merkt bestimmt, dass es ein paar Sachen gibt, die man in Südafrika immer isst!).

 

Nach dem Spiel haben wir dann ein Bettenlager mit Matratzen gemacht und Decken, die uns die Frauen gebracht haben. Und südafrikanische Decken sind der Hammer! Die sind 2,0 m x 2,4 m groß und extrem weich und warm und schwer (6,5 kg) und in jedem Haushalt mehrfach vorhanden (-> warum sollte ich am nächsten Tag erfahren!). Die Jungs haben in einem extra Raum geschlafen. Wir haben uns zu 8 auf 5 Matratzen gekuschelt. Eigentlich ganz nett, warm wurde es auch, außen war es mittlerweile echt kalt! Problem: die Südafrikanerin aus dem Dorf, die mit uns gekommen ist. Sie hat die ganze Nacht furchtbar laut geschnarcht! Also konnte ich bis ca. 4 Uhr nicht bzw. kaum schlafen und lag ganz viel wach und hab mich über die Frau geärgert. Irgendwann hat sie dann aus irgendeinem Grund nicht mehr geschnarcht und ich konnte dann doch noch ein bisschen schlafen, bis dann so gegen 7 Uhr außen die Hühner wach wurden und laut rum gegackert haben und die Frauen mit Vorbereitungen angefangen haben… 

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Kommentare: 1
  • #1

    Centrifugal Juicer (Samstag, 04 Mai 2013 07:52)

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