Hochzeit auf Südafrikanisch - Teil 2

Sonntag, 23. September 2012

 

Heiraten ist eine teure Sache. Deswegen ist es in Südafrika nicht verwerflich, dass Paare zusammenleben und Kinder haben, bevor sie verheiratet sind. Auch das Paar auf dessen Hochzeit wir waren, hat bereits einen Sohn, der ungefähr 5 Jahre alt ist. Es gilt auch noch die Tradition, dass der Bräutigam die Braut von ihrem Vater „freikaufen“ muss, er zahlt 12 Kühe. Das ist für viele Familien schon ein Problem, weil sie zum Teil oft nicht mehr als 7 oder 8 Kühe besitzen. Allerdings meinte Khelo, dass sich durchaus auch ärmere Paare verheiraten.

 

Am nächsten Tag also, am Sonntag, sind wir dann so gegen 9 Uhr aufgestanden und haben uns fertig gemacht. Es hieß, um 11 würden wir gehen. Uns wurde Putubrei (mittlerweile habe ich heraus gefunden, dass es sich dabei um Maismehl handelt) gebracht, also das, was ich fast jeden Morgen esse, das was so schmeckt wie Griesbrei mit Wasser, mit Zucker wiederum hat es sehr gut geschmeckt und furchtbar satt gemacht! Dann hat Khelo einen traditionellen Zulurock angezogen, ein schwarzer, kurzer Faltenrock zum Binden mit bunten Streifen unten am Saum. Sie hatte noch einen zweiten dabei und von der Familie haben wir auch noch einen bekommen, bzw. noch einen dritten, der allerdings gelb war. Der gelbe war so klein, also hatte wenig Material, dass er nur mir gepasst hat, also durfte ich ihn anziehen.

 

Nach dem wir ein paar Bilder gemacht und gewartet haben, gab es Essen: südafrikanisches Brot (-> Weißes Brot ohne Kruste) mit Dosenfisch und Chakalaka. Dieses war wahnsinnig scharf!! Aber es hat wieder sehr gut gegessen. So gegen halb 1 haben wir uns dann auf den Weg gemacht, Khelo meinte, wir treffen die Braut am Fluss, wo sie sich traditionell fertig macht für die Hochzeit. Da waren dann ganz viele Frauen, viele von ihnen in traditionellen Röcken, über einem Feuer wurde Kuhfleisch gegrillt. Und gewartet, bzw. uns unterhalten auch mit einigen Frauen.

 

Zulufrauen singen gerne. Wieder im Call-and-Response-Prinzip und dann mehrstimmig, was echt ziemlich gut klingt. Dazu haben dann immer einzeln Frauen traditionell Zulu getanzt, was vor allem ein Move ist, bei dem man ein Bein möglichst hochschmeißt und wieder auf den Boden knallen lässt. Sieht echt etwas komisch aus, aber irgendwie waren da alle voll dabei. Die anderen deutschen Mädels haben sich auch in den Kreis zum Tanzen getraut, ich wollte nicht, weil der Rock recht kurz war und ich keine Strumpfhose getragen habe.

 

Irgendwann, nach gefühlten Ewigkeiten sind wir dann zurückgegangen, also in die Nähe des Hauses der Familie der Braut, davor war ein größeres Stück Wiese auf dem wir uns dann versammelt haben, da waren dann auch die Männer. Da gab es dann wieder Gesang und Tanz und auch eine Gruppe junger Männer, die professionelle Zulutänzer waren, haben einige Tänze aufgeführt, was echt ziemlich skurril war. Dann kamen traditionelle Reden, vom Vater und Großvater der Braut, die diese vorstellten und auch den Bräutigam zu Treue aufriefen. Und der Vater des Bräutigams hat auch geredet, was, weiß ich nicht.

 

Dann ging es zum Haus der Brautfamilie, ein echt riesiges Grundstück. Da wurden dann auf einem Platz vor dem Haus ein prunkvolles Ehebett und eine Spiegelkommode aufgebaut, alles traditionell. In der Zwischenzeit wurde wieder gesungen und getanzt. Die Braut muss der ganzen Familie Decken kaufen, warum, keine Ahnung, ist einfach ein Brauch (-> deswegen so zahlreich in jedem Haushalt vorhanden!). Die wurden in einer schier ewigen Zeremonie den Leuten einzeln übergeben, in dem eine Bastmatte auf den Boden gelegt wurde, ein Kissen drauf, dann musste sich die Person hinlegen und wurde mit einer Decke zugedeckt. Da die Familie groß ist, hat das ewig gedauert… Nachdem alle Decken verteilt waren, ist der Bräutigam gekommen und die Braut hat ihn symbolisch gewaschen und auf dem Bett zugedeckt. Dann wurde er von verschiedenen Frauen mit Stöcken wieder aus dem Bett gejagt.

 

Dann ging es aber endlich zum Essen, mittlerweile war es schon halb 5, das war der Grund, weshalb wir bei der Familie noch einmal Essen bekommen hatten! Wir Weißen wurden schon wieder VIP-mäßig als Erste zu den Tischen geführt und haben dann auch recht schnell Essen bekommen. War irgendwie dem Essen vom Vortag recht ähnlich, nur um etwas Tomaten- bzw. Rohkostsalat erweitert. Kaum war das gegessen, kamen schon die Nachtische, Vanilleeis auf Vanillesoße mit Banane. Dann wurden Teller mit Kuchen auf die Tische gestellt, knapp gefolgt von Chipstellern. Als das dann verspeist war, kam noch mehr Essen: Rindfleisch und afrikanisches Brot. Alle wurden regelrecht gemästet!

 

Nach dem Essen gab es dann was zu trinken, also haben wir Cidre getrunken, und dann noch ein bisschen Bier, später hat der Bräutigam auch ein paar Schnapsflaschen hingestellt. Die Jacky-Flasche war ziemlich schnell leer, allerdings nicht durch uns, sondern die anderen Gäste. Alle haben ein bisschen getanzt und gefeiert und sehr viele Afrikaner wollten unbedingt Bilder mit uns machen. Andere haben gar nicht gefragt, sondern uns einfach so gefilmt und fotografiert. Weiße sind also doch noch irgendwie faszinierend für die Leute da.

 

Nachdem wir dann eine Zeitlang gefeiert und getanzt hatten, haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Es war ziemlich kalt. Wir haben unsere Taschen geholt, sind nochmal alle aufs Klo (Loch auf Ziegelsteinen über Grube) und wurden dann mit dem Pick-Up nach Hause gebracht, also komplett bis zu Kenosis. Also haben wir ihm jeder 25 Rand bezahlt, auch für die Hinfahrt, was 2,50€ entspricht. Also echt nicht viel.
Dann bin ich mit Kristina zu unserem Haus, während die anderen in ihr Haus sind. Da ich noch nicht wirklich müde war, hab ich dann noch einen Film geguckt, ich hatte meinen Laptop ja dabei, in der Hoffnung, dass es Internet gibt, und auch, damit ich ein bisschen schreiben kann, was ich auch gemacht hab, also bevor ich den Film angeschaut hab.

 

Es war ein langer und interessanter Tag gewesen, mit wahnsinnig vielen Sinneseindrücken! Alle außer mir hatten auch eine kleine Kamera dabei und haben Bilder gemacht, die ich mir habe geben lassen, damit ihr auch in den Genuss der Farben kommt und etwas davon erfahrt, was ich so alles gesehen und gehört habe!

 

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