Beerdigung auf Südafrikanisch

Samstag, 29. September 2012

 

Beerdigungen in Südafrika sind keine Familienangelegenheit, sondern werden mit der ganzen Gemeinde gefeiert. Letzte Woche sind zwei Frauen aus der Gemeinde gestorben und zu einer Beerdigung sind wir heute gegangen, weil meine Gastmum ja Pfarrerin ist und da den Gottesdient mitgehalten hat. Eigentlich hieß es ursprünglich, dass wir um halb 9 aus dem Haus gehen wollten, weil der Gottesdienst um 9 Uhr beginnen sollte. Aber letzten Endes haben wir dann um 9 das Haus verlassen und haben uns auf einen 40 Minütigen Spaziergang zur Kirche gemacht. Es war echt ganz schön, weil so habe ich noch ein bisschen mehr von der Stadt bzw. dem Viertel gesehen, in dem ich wohne. Außerdem war es gutes Wetter und ich habe mich endlich mal wieder ein wenig bewegt!!

 

Es ist schon interessant zu sehen, dass die Häuser so unterschiedlich sein können und dann sehr stark die soziale Situation der Bewohner spiegelt. Weil wenige Schritte in die eine Richtung, dann kommt man zu Lehm- und Wellblechhütten, und ein kleines Stück in die andere Richtung, dann sieht man große Häuser, oft auch zweistöckig (echt selten bei Wohnhäusern!) mit Ziegeldächern und gepflegtem Hof bzw. Garten. Aber egal, wie das Grundstück bebaut ist, die Kinder die darauf spielen sehen immer glücklich und zufrieden aus.

 

Die Kirche, in der der Gottesdienst dann stattgefunden hat, war dieselbe, in der ich den allerersten Gottesdienst hier in Südafrika besucht hatte. Ich habe mich vorne hingesetzt, ein paar Leute kennengelernt und habe gewartet. Die Kirche hat sich nach und nach gefüllt, das ist irgendwie hier ganz komisch, du kannst noch so viel zu spät kommen und bist trotzdem nie der Letzte. Also Pünktlichkeit ist eine Tugend, die ich hier bestimmt nicht lerne, sondern eher verliere (Tut mir Leid, Nils!).

 

So gegen Viertel 11 kamen dann die Angehörigen der Verstorbenen und der Sarg, der vorne in der Mitte aufgestellt wurde. Dann hat der Gottesdienst auch angefangen, und wenn ich nicht gewusst hätte, dass es ein Trauergottesdienst ist und der Sarg auch nicht dagewesen wäre, hätte es auch ein ganz normaler Gottesdienst sein können. Das ist vielleicht auch, weil ich ja nicht verstanden habe, was die Leute sagen bzw. singen.

Apropos Singen: ich erwähne es noch einmal, Afrikaner haben die Musik im Blut! Egal welches Lied, immer mehrstimmig und laut und gute Stimmen und alles.

 

Der Gottesdienst hat sich hingezogen, wie immer. Wer deutsche Gottesdienste nicht aushält, sollte niemals einen südafrikanischen besuchen. Unter 3 Stunden kommt man nie weg. Auch interessant: es gibt, ähnlich dem katholischen, so „Gottesdienst-Diener“, also junge Mädchen in rotem Gewand mit weißem Überwurf, die Kerzen, das Kreuz und die Bibel reintragen am Anfang und dann auch unterstützend für die Pfarrer da sind und sich bekreuzigen und so. Aber sonst, mit dem ganzen Gerede war es einfach langweilig. Ich bin dann meinen Gedanken nachgegangen, ist auch mal ganz schön. Wenn gesungen wurde, konnte ich mitsingen, weil die Melodien einfach waren und ich den Text aus dem Liederbuch mitlesen konnte, und die Aussprache allein nicht schwer ist. Ich hab halt eigentlich keine Ahnung, was ich singe, aber ein paar Worte sind mir mittlerweile auch bekannt. Abendmahl gab es auch, und die schenken hier tatsächlich Traubensaft aus! Aber ich mag das lieber als den „Fake-Jesu-Blut“-Weißwein.

 

Es haben dann auch einzelne Gruppen bzw. Personen gesungen, und ich war echt verdutzt, als das Piano plötzlich die deutsche Nationalhymne spielt. War halt die Melodie mit anderem Text, aber echt komisch, weil der Text der Hymne doch stark mit der Melodie verbunden ist und da ich den Text eh nicht verstanden habe, kam mir der Text auch immer in den Kopf.


Als es dann endlich vorbei war, habe ich außen vor der Kirche wieder gewartet, bis meine Gastmum, die andere Pfarrerin und zwei der „Dienst-Mädchen“ da waren und dann sind wir in mehr oder weniger Kolonne alle zum Friedhof gefahren, der ein ganzes Stück außerhalb liegt, so sind wir eine dreiviertel Stunde quer durch die Stadt gekurvt. Das Gelände da ist hügelig und mit ganz viel Gras bedeckt und auch die Gräber selbst sind nicht gepflegt und dadurch überwuchert. Aus einer bestimmten Perspektive sieht es dann so aus wie eine Wiese in einem Wald, auf der viele Steine stehen. Ich hab mir so die Inschriften angeguckt und irgendwann ist mir aufgefallen, dass auf den Gräbern mit Grabstein nur europäische Namen stehen, Margareth, Jacob, Louise, Michael und so was in der Art. Die meisten waren auch alt, also vor 1990 begraben.

 

Wir haben die Steinwiese hinter uns gelassen und kamen zu einem Stück, wo dann drei Beerdigungen gleichzeitig stattgefunden haben, so ein kleines Stück immer versetzt. Und jede mit eigener Trauergemeinde und eigenem Gesang. Der Sarg wurde in die Erde gelassen, die Angehörigen haben eine Hand voll Erde ins Loch geworfen und dann sind wir wieder gegangen, also die beiden Pfarrerinnen und ich, wieder zurück zur Stadt. Da sind wir dann zum Haus der Familie der Verstorbenen, denn üblich ist es, ein Zelt vorm Haus stehen zu haben und allen was zum Essen zu bieten. Also Teller nehmen, und Essen aufladen. Vom Prinzip war es dasselbe Zeug, dass es auch auf der Hochzeit gab, also das Übliche südafrikanische Essen eben.

 

Kaum hatten wir aufgegessen ging es auch wieder weiter zu einer anderen Familie, vielleicht war es die Familie der anderen Verstorbenen, keine Ahnung. Da war auch ein Zelt, und da saßen ein paar junge Männer und einer davon hat wild herumgefuchtelt und gerufen und so. Ich hab mir erst nichts gedacht, dachte, dass das halt einer ist, der grad irgendwas erzählt und übertreibt und so. Aber dann ist er aufgestanden kam zu mir, und auch da dachte ich, dass alles okay ist, und er gleich damit aufhört und lacht. Aber nein, er hat weiter geschrien, mir den Stinkefinger gezeigt, die Hände über den Kopf geschlagen, auf mich gezeigt und dabei die Augen ganz weit aufgerissen, der ist voll durchgedreht und dann kamen auch schon andere Männer zur Hilfe und haben ihn gewaltsam wegzerren müssen, weil keine Ahnung, was der sonst noch gemacht hätte. Er war einfach nicht normal im Kopf, also einfach so gar nicht!! Das war schon irgendwie gruselig…

 

Im Haus haben wir uns hingesetzt, dann wurde eine Schüssel mit warmen Wasser gebracht, wir haben unsere Hände gewaschen. Dann kam ein großes Brett mit afrikanischem Brot, Fleisch, das noch an großen Knochen hing, vermutlich ein Kniegelenk einer Kuh und einem großen Messer. Und dann hat man das Ganze mit der Hand gegessen, hat ein Stück Brot genommen, ein Stück Fleisch, das etwas mit Salz eingerieben und dann gegessen. Dabei wurden die Hände schmutzig und schmierig, aber dafür hat man ja davor Hände gewaschen. Aber es hat nicht so wirklich gut geschmeckt, ich mag Fleisch halt lieber etwas mehr angemacht, als mit etwas Salz… Hinterher hat man sich wieder die Hände gewaschen, wir haben was getrunken und sind wieder gegangen. Diesmal aber endlich heim.

 

Daheim dann endlich, so gegen halb 6, war ich ziemlich müde und kaputt. Afrikanische Feiern und alles zieht sich immer so ewig lange. Obwohl wir den ganzen Tag gegessen hatten, gab es dann trotzdem noch Abendessen um halb 8. Ich hab mich dann danach aber gleich in mein Zimmer zurückgezogen, weil ich furchtbar müde und außerdem ein bisschen krank bin, meine Nase läuft und ich huste und hab Halsweh und so. Also jetzt nicht dramatisch, aber so, dass es einfach schlapp macht.

Morgen früh raus, wohin, hab ich keine Ahnung. Ich hab zwar gefragt, aber keine wirkliche  Antwort bekommen und ich will nicht nochmal fragen, weil schließlich erfahre ich es ohnehin morgen früh.

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