Der ganz normale Wahnsinn


Mittwoch, 17. Oktober 2012

 

Die Tage gehen dahin. Mal passiert etwas Interessantes und mal nicht. Also ich hab das Gefühl, dass Letzteres häufiger eintrifft. Aber vermutlich ist das nur eine Täuschung, weil ich doch irgendwie viel zu erzählen hab, und wenn es nur Kleinigkeiten sind, die mir so über den Weg gelaufen sind.

Fangen wir mit letztem Sonntag an. Wie immer hatte ich keine Ahnung, wohin es zum Gottesdienst geht, also ich gehe ja immer mit meiner Gastmum, der Rest der Familie geht in die Kirche in Imbali, da wo auch der Beerdigungsgottesdienst war. Das einzige, was ich wusste war: es geht um halb 9 los! Also, gegen dreiviertel 8 schnell aufgestanden, gefrühstückt, fertiggemacht und dann? Gewartet. Und gewartet. Ich hab dann erfahren, dass wir abgeholt werden und eben auf dieses Auto warten. Aber wirklich viel geändert hat es nicht. Meine Gastmum hat immer mal wieder telefoniert und ich hab meine Tasche mehrmals umgepackt. Da ich auch meine Kamera mal mitnehmen wollte, bin ich schließlich auf die Idee gekommen, die Kameratasche zu nehmen, die hat auch einen Trageriemen und wenn man alles rausnimmt, bis auf die Kamera natürlich, dann ist genug Platz für die Kleinigkeiten, die ich mitnehmen wollte. Nur die Bibel hab ich noch in der Hand gehabt, weil die einfach nirgends hineinpasst.

So gegen Viertel 10 haben wir uns dann endlich auf den Weg gemacht und sind zur großen Straße hochgelaufen. An der Straße dann wieder warten, ich hab ein paar Bilder gemacht, erneute Telefonate und um halb 10 kam dann endlich das Auto. Innen saß der „leader of the church“ in Willowfontein (Stadtteil von PMB), der in seine eigene Kirche viel zu spät kam… Auf der Autofahrt habe ich, wie schon so oft, echt super Sachen gesehen, die ich gerne fotografiert hätte, aber aus einem fahrenden Auto ist das immer etwas schwierig, ich hab es versucht, aber viele Bilder sind verwischt.

Die Kirche  war dann echt nicht groß, ein einziger Raum mit Plastikstühlen, die ziemlich gut besetzt waren. Schließlich haben alle auf uns gewartet, der Gottesdienst sollte ja schon vor einer Stunde begonnen haben. Es wurde wieder viel gesungen, und sehr viele Lieder kommen mir jetzt schon immer bekannt vor. Den Text kann ich aber trotzdem noch nicht. Es gibt auch immer wahnsinnig viel Liturgie mit oft echt langen Passagen. Die Melodie ist recht eingängig und so versuche ich zumindestens ein bisschen mitzukommen. Auch wenn ich eben nichts verstehe.

Es wird dann aus der Bibel vorgelesen, und da ich meine auch dabei hatte, hab ich gut mitbekommen, worum es ging. Es war Markus 10, 17-31, also die Geschichte mit dem Reichen, wo Jesus dann das mit dem Kamel und dem Nadelöhr sagt und dann auch „die Letzten werden die Ersten sein“. Dann kam die Predigt und die war echt wieder lang. Aber gar nicht so langweilig, weil der „church leader“ neben mir saß und sinngemäß auf Englisch übersetzt hat! Das fand ich schon echt super von ihm!

 

Beim Abendmahl gab es wieder Wein, und der war echt klasse, also schon süßlich, aber dann mit herbem Nachgeschmack. Ich hab beschlossen, mir jetzt einfach mal eine Flasche südafrikanischen Wein zu kaufen, vielleicht gibt es ja auch kleine Flaschen, und dann trink ich den so nach und nach. Weil es sich eher niemand in der Familie finden wird, der mit mir trinken würde, und da es auch sonst niemanden gibt, muss ich das wohl oder übel alleine tun. So am Wochenende, bei einem guten Film oder so.

 

Natürlich wurde ich auch wieder nach vorne gerufen, um mich vorzustellen, und da waren dann auch mehrere Handykameras auf mich gerichtet, die das unbedingt einfangen wollten… Man! Ich mag das immer gar nicht, aber ich fürchte, da muss ich durch. Die machen das ja nicht, weil sie mir was Böses wollen, sondern einfach aus Neugierde, und weil es nicht oft vorkommt, dass sich Weiße dorthin verirren.
Ich wollte eigentlich mal das Gesinge filmen, hab mich dann aber nicht getraut, weil ich gedacht hab, dass es möglicherweise nicht reinpasst, also dass es eben den Gottesdienst „entehrt“. Aber ich werde das noch machen, irgendwann, damit ihr auch mal die geniale Mehrstimmigkeit in den afrikanischen Melodien, vermischt mit dem exotischen Klang des Zulu, hören könnt ;).

 

Nach dem Gottesdienst hieß es dann wieder warten, weil die Pfarrerin sich eben noch mit den Gemeindemitgliedern unterhält. Ach ja, die Gemeinde in Willowfontein ist die Gemeinde meiner Gastmum. Sie ist nur viel unterwegs und hält auch an anderen Fleckchen mal den Gottesdienst. Also hab ich auch ein Bild von einigen Gemeindemitgliedern vor dem Eingang der Kirche gemacht. Außerdem hab ich auch die Umgebung fotografiert, da kamen dann auch Ziegen und Kühe vorbei, die ich auf Bildern einzufangen versucht habe.

 

Dann wieder daheim war eigentlich nichts mehr. Abends hat es dann gewittert. Und Gewitter sind einfach der Wahnsinn! Gruselig, aber trotzdem echt faszinierend. Ich liebe es, aus dem Fenster zu gucken, und die Blitze zu beobachten, oder auf der Terrasse zu stehen und den Donner zu fühlen. Denn das kann man hier wirklich! Es hat noch nicht geregnet, aber geblitzt und gedonnert hat es trotzdem und da kam dann echt so eine Druckwelle, das war der Hammer! Bis jetzt hat es dreimal gewittert und ich hab immer versucht zu fotografieren, aber das ist einfach Glücksache und deswegen hab ich auch noch keinen Blitz wirklich einfangen können. Außerdem gibt ein Bild nur einen Bruchteil der Stimmung wieder, also das muss man hier einfach erlebt haben, um das wirklich nachvollziehen zu können. Es ist ganz anders als zuhause, weil man hier viel sieht und auch die Umgebung einfach schon an sich exotisch ist und dann im gewittrigen Licht…

 

Am Montag ging es dann wieder mit der Arbeit los, und vormittags war es echt ganz angenehm. Die andere Erzieherin hat die Kinder wieder unterrichtet und ich war dann derzeit bei den Babys, das waren 2 und Luyanda hat geschlafen. Also hab ich die Zeit und den Platz genutzt, um ein bisschen Übungen zwischendurch zu machen. Nicht, dass ich hier noch einroste. Siyanda hat mich zwar etwas komisch angeschaut, aber soll sie halt :). Der Kleine, dessen Namen ich nicht weiß und den ich deshalb „Jim“ getauft hab, fängt langsam, aber sicher an, sich einzugewöhnen und so kommt es schon sehr oft vor, dass er nicht weint und sogar mit den anderen Kinder spielt, lacht und vor sich hin brabbelt.

 

Außerdem schlafen die Kinder mittags jetzt immer fast alle. Und die, die nicht schlafen, liegen auch ruhig dabei. Ich hab auch in den anderen Raum mal ein paar Decken gelegt, und dann die Kinder dorthin verfrachtet, die recht früh angefangen haben zu schlafen, damit sie da ihre Ruhe hatten. Dadurch hatten die restlichen Kinder auch mehr Platz und mit vielmaligem Ermahnen und ein paar leichten Klapsen auf die meist gut gepolsterten Hinterteile, haben dann auch die angefangen zu schlafen. Und das hielt dann auch gut eine Stunde, bis dann die ersten abgeholt wurden, und geweckt werden mussten. Vielleicht liegt das daran, dass es jetzt wieder wärmer wird und man dadurch einfach müder ist. Es ist auf jeden Fall echt schön! Ich leg mich dann auch gerne dazu und döse ein bisschen, weil ich eben auch einfach geschafft bin.

 

Dienstag war es ungefähr dasselbe. Heute allerdings war es anders, weil es 6 Babys waren und ich deshalb die Größeren übernommen habe. Das waren trotzdem noch 22 Kinder, und deshalb war es auch wirklich hart. Also, anfangs beim Unterrichten, war es noch okay, da haben sie mir noch gut zugehört und haben auch gut mitgemacht. Ich hab die Körperteile wiederholt und hab ihnen ein paar Tiernamen beigebracht. Die haben da so Tierfiguren, damit konnte ich das gut zeigen. Aber dann, als ich versucht habe, sie nacheinander aufs Klo gehen zu lassen, da war es mit der Ordnung zu Ende.

 

Ich hab dann Tische außen aufgestellt und Stühle verteilt und auch Papier und Farben, bzw. Kreiden, bzw. Scheren und Seiten aus Zeitschriften. Eine Zeitlang ging das auch gut, aber anstatt einfach in Ruhe zu arbeiten, hieß es ständig „Teacher“ dies, „Missi“ das, bis ich aufgegeben und sie nach innen geschickt hab, damit sie Essenspause machen. Und das ist auch ein Kapitel für sich. Ich habe ja schon einmal erwähnt, dass da immer Chips und Jogurts gegessen werden und das ist echt jedes Mal voll die Sauerei! Die Chips fallen auf den Boden, der nächste stapft rein, verteilt es schön, dann kommt ein kleineres Kind, das dann versucht, die Reste aufzuheben, ein anderes Kind stolpert drüber und verschüttet sein Jogurt, es gibt Streitereien über alles Mögliche. Wenn dann alle aufgegessen haben, werden sie in den Gang geschickt, damit man durchfegen kann. Allerdings muss man davor erst noch die Reste vom Boden klauben und wegwerfen. Im Gang gehen dann die Streitereien und Prügeleien weiter…

 

Jaja, sie sind schon echt anstrengend, diese kleinen Racker. Aber ich hab sie ja trotzdem gerne. Zum Beispiel haben sie sich heute Morgen ganz alleine bewegt, also Hampelmänner und anderes gemacht, was ich ihnen mal gezeigt hatte. Außerdem war auch das kleine Tarzan-Baby wieder da, und das hat meinen Tag dann auch aufgewertet. Mittlerweile hat es sich weiterentwickelt und macht nun Geräusche wie Wellensittiche, also unglaublich hohes Gequietsche, wenn man ihn kitzelt, oder mit ihm spielt.
Außerdem haben die Kinder wieder recht gut geschlafen, obwohl es auch Ausnahmen gab, aber es war okay.


Nachdem dann echt viele abgeholt worden waren, und nur noch so 10 Kinder übrig waren, die auch nicht mehr schlafen wollten, hab ich sie mir geschnappt und bin mit ihnen raus gegangen. Vor dem Haus ist ein Weg und davor ein schmaler Streifen Wiese. Erst haben wir zusammen ein bisschen Gymnastik gemacht, dann hab sie auf dem Weg Wettrennen machen lassen und da waren sie voll dabei! Als sie erschöpft waren, hab ich ihnen Wasser gebracht und wir haben uns auf die Treppe gesetzt und ein bisschen gekuschelt.

 

Einzeln haben sie dann wieder getanzt (z.B. Kiligithi) und ich hab dabei auch ein Mädchen auf dem Schoß gehabt. Oh man, das war wirklich einfach eine schöne Zeit mit den Kinder, die ich gerne öfter hätte! Aber mit 30 Kinder kann man das einfach nicht machen, und außerdem sind auch viele Kinder zu klein dafür. Ich würde sie allgemein gerne außen spielen lassen, an der frischen Luft, aber da ist der Platz zu gering und man kann auch nicht auf alle schauen, da passiert dann doch leicht mal etwas. Aber vielleicht geht es zumindestens am Schluss immer, das fände ich echt schön!

 

Gerade gewittert es wieder, aber es regnet auch echt viel und dadurch ist es nicht genauso schön, wie Sonntag Abend :). Ich hätte jetzt auch noch mehr zu erzählen, aber das hebe ich mir noch ein bisschen auf, ist ziemlich viel geworden.

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