Mall, Kinder und Tierchen

Samstag, 20. Oktober 2012

 

Endlich Wochenende! Das ist die Zeit, um mich von der Woche zu erholen und meine neu beginnende Erkältung zu kurieren. Ja, es ist ätzend, aber ich habe diesmal sogar Taschentücher, und das macht alles dann doch angenehmer.

 

Wie ich dazu kam, das ist eine lange Geschichte… ich wollte schon seit Montag in die Mall, weil ich neues Handyguthaben und Schokolade kaufen wollte. Es war dann nachmittags aber niemand da, mit dem ich hätte gehen können. Also hab ich mich damit abgefunden. Dienstag dann das selbe Spielchen, aber auch da war ja noch alles in Ordnung. Mittwoch Morgen hab ich dann extra meinen Gastbruder gefragt, ob er denn am Nachmittag mit mir in die Mall gehen würde, und tatsächlich hat er zugesagt. Also um 3 aus der Mall heim, ein bisschen gelesen und dann auf den Weg zur Mall gemacht. In der Mall dann die Ernüchterung: kein Geld am Konto! Ich hatte aber noch 28 ZAR (ca. 2,80€), also hab ich mir zumindestens neues Guthaben gegönnt. Dann wieder heim und auf den nächsten Tag gewartet. Am Donnerstag das gleiche Spiel, nur, dass diesmal auch der Kumpel wieder dabei war. Also, netter Spaziergang zur Mall, dann am ATM enttäuscht werden. Von meinen letzten 8 ZAR hab ich mir Kekse gegönnt.

 

Freitag, also gestern, hat es dann endlich geklappt, auch wenn es genieselt bis geregnet hat, aber ich hatte damit kein Problem, im Gegensatz zu den beiden Jungs, die sich die ganze Zeit beschwert haben. Und da ich dann endlich mein Geld hatte, hab ich auch ordentlich eingekauft, so dass ich erstmal nicht mehr in die Mall gehen muss, das ist mir einfach immer zu viel Ärger mit den Warten auf einen verfügbaren Bruder… Aber ich habe jetzt auch viele Kekse, Chips, Schokolade, Taschentücher (in einer Box), Handyguthaben, Kaugummis, Buntstifte, Wein (500ml Tetrapack), und eine Cosmopolitan.

 

Mein Gesundheitszustand hat sich nach und nach verschlechtert, es hat Donnerstag mit Übelkeit angefangen, den ganzen Tag, immer wieder. Deswegen hab ich auch gesagt, dass ich kein Mittagessen haben will, und ich hatte auch gar keinen Hunger, bis Abends nicht. Aber da gab es sowieso Maas (Putu mit saurer Milch), und dann hab ich da nur eine kleine Portion gegessen. Gestern dann bin ich schon mit dickem Hals aufgewacht und im Laufe des Vormittags kam auch eine dicke Nase dazu. Außerdem war ich müde und hab Rückenschmerzen bekommen, also die üblichen Grippevoranzeichen. Also hab ich einfach ein bisschen langsam gemacht und bin schon um halb 3 gegangen, dann hab ich mich ausgeruht und bin eben zur Mall. Heute ist die Nase immer noch verstopft und mein rechtes Ohr tut weh, ich hoffe es ist nicht Schlimmeres…

 

Die Tage in der Creche waren zwar echt anstrengend, aber auch ganz lustig, weil ich am Donnerstag meine Kamera mal wieder dabei hatte. Anfangs war es echt schwer da irgendwelche Bilder zu machen, wo die Kinder einfach ganz normal Spielen oder rumsitzen, weil das Geschrei („shoot me“) wieder angefangen hat. Und die sich dann vor der Kamera gedrängt haben. Da sind allerdings auch ganz witzige Bilder rausgekommen :). Später dann, wurde es besser, weil die Kinder sich einfach normal beschäftigt haben, oder eben am Essen waren. Gegen Ende, als dann die meisten Kinder abgeholt worden sind, und es nur noch wenige waren, hab ich außen auch Einzelbilder von ihnen gemacht, und es sind echt einige gute Bilder rausgekommen!

Am Mittwoch hab ich ja mit den letzten Kinder so bisschen Wettrennen gemacht, und die haben sich dann auch selbst eingezählt, also auf Englisch. Aber leider klingt das bei denen nach: „Condomats, ready, fire, go!“. Also hab ich versucht ihnen zu erklären, dass es „On your marks“ heißt, aber leider hat das nicht wirklich gefruchtet… Also rufen sie immer noch fröhlich „condomat“ durch die Gegend.

 

Es gab auch tierischen Besuch aus der Bodenkrabbelfraktion. In der Creche ging einmal das Geschrei los, verursacht von einem Tausendfüßler. Aber, okay, der war schon echt etwas eklig, weil der einfach 15 cm lang, dick und schwarz war und einen Panzer hatte, also zumindestens hat er sich hart angefühlt, als ich dann Klopapier genommen und ihn rausgesetzt habe, weil ich das Tier nicht töten wollte. Überlebt hat er es trotzdem nicht, ich hab dann am nächsten Tag ein paar zerstampfte Überreste am Boden gefunden, nahe der Stelle, an der ich ihn ausgesetzt habe.

 

Und dann war da noch das kleine Minigecko in meinem Zimmer. Ich wollte gerade was in die Küche bringen, da ist mir das Tier an der Zimmerwand neben der Tür aufgefallen und ich hab gleich meine Kamera geholt und es fotografiert. Es ist dann unter der Tür rausgehuscht und ins Badezimmer, da hab ich es dann aber in Ruhe gelassen. Aber es war wirklich klein, also nicht so winzig wie die Minieidechse, aber trotzdem nicht größer als 5 cm. Solche Besucher sind mir ganz lieb, also was ich so von den Freiwilligen bei Kenosis gehört habe, von Ratten, die 30 cm lang sind und riesigen Spinnen…

 

Witzig war auch der Vogel, den ich mal in einem Garten gesehen hab, der war einfach mal Neonorange! Also Kopf und Flügel waren schwarz oder dunkelbraun, aber der Körper echt knallig. Ich musste zweimal hinsehen, um mich zu vergewissern, dass das Tier echt ist und nicht bloß angemalt.

 

Ich habe euch ja von Luyanda erzählt, den kleinen Jungen aus der Creche, mit der Beule am Bauch, die möglicherweise von einer verpfuschten Nabelschnurabnahme herrührt. So abwegig kommt mir das echt nicht mehr vor, nachdem ich mir mal so die Nabel der anderen Kinder angeschaut habe. Ayabonga und Avel haben auch einen rausstehenden Nabel, und mit herausstehend meine ich eine kleine Beule von ca. 1,5 cm Durchmesser und ebenso viel Höhe nach außen. Aber auch der Nabel von Masundi und anderen Kindern sieht nicht so schön aus, irgendwie haben‘s die Ärzte hier nicht so drauf…

 

Mit den Namen komme ich jetzt immer besser zurecht, also so die Hälfte der Kinder kann ich mit Namen ansprechen, von den anderen weiß ich ihn nicht, bzw. kann ihn nicht ausprechen. Eine kleine Auswahl: Masundi, Ayabonga, Siyamthanda, Zothani, Nqo, Eyethu, Mapondisa, Anele, Zamkhe, Boy, Sethu, Slidho, Nomonde, Zolwandle (das heißt „Im Meer“). Also südafrikanische Namen haben meistens eine Bedeutung, also ähnlich wie bei Indianern, irgendwas, was mit der Geburt oder so zusammen hängt. Sehr beliebt ist deshalb auch Siyabonga, was ja „wir danken“ heißt. Oder Okuhle, was „Gutes“ heißt.

 

Wo ich gerade bei ein bisschen Zulu bin: es wird hier echt schlampig gesprochen, deswegen ist es echt nicht so leicht, da was mitzubekommen. Man sagt „sanbon“, „unjan“, „saphil“, „yeb“, also die letzte Silbe wird so gut wie immer verschluckt. Bei Namen wird das übrigens auch oft gemacht, und da ich jetzt einige Namen kenne, weiß ich auch, wie ich die ausprechen muss, also ohne den letzten Buchstaben.

 

Meine Zulukenntnisse erweitern sich nur sehr schleppend, aber ich habe am Donnerstag in der Creche ein Buch gefunden, also ein Schulbuch für die 7. Klasse, aber da war eine Vorsilbentabelle drin, die hab ich mir gleich abgeschrieben, und werde es dann mal auf mein bisher angeeignetes Wissen anwenden. Außerdem waren da auch die Zahlen von 1 bis 10, welche einfach echt lange Wörter sind, also zum Beispiel 8 ist „isishiyagalombili“ :D.

 

So, ich werde mich jetzt über das Wochenende freuen, und hoffentlich gesund werden!

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Kommentare: 2
  • #1

    Nils (Samstag, 20 Oktober 2012 15:36)

    Bist du dir sicher, dass des "on your marks, FIRE, go" heißt? Nicht eher "on your marks, get set, go" oder "ready, set, go" oder ganz ungewöhnlich glaub ich gibts noch "ready, steady, go". Du Englischlehrer du ;).

    Ich liebe dich... Komm bald wieder!

  • #2

    kristinapongi (Sonntag, 21 Oktober 2012 07:18)

    Ich hab eben das geschrieben, was die Kinder gesagt haben. Das war mal "on your marks, ready, fire, go", mal "on your marks, get set, fire, go", also ich denk einfach, dass die da auch nicht so die Ahnung haben, was richtig ist. Aber ich fand es schon schwer genug, sie von "condomat" wegzubringen, wie es richtig heißt, werden sie dann schon in der Schule lernen :)

    <3