Hochzeit, die Zweite

Samstag, 27. Oktober 2012


Wie ihr vielleicht schon mit bekommen habt, war ich auf der Hochzeit des Neffen meiner Gastmum. Wie schon bei der letzten Hochzeit: eine zweitägige Feier, also Samstag westliche Hochzeit und Sonntag dann traditionell. Also hieß es Freitag Abend packen für die nächsten beiden Tage.

Am Samstag dann um halb 6 aufstehen, Frühstücken, fertigmachen, und um halb 7 aus dem Haus (ursprünglich geplant war 6 Uhr, aber das klappt nie). Dann das nächste Minitaxi in die Stadt geschnappt und dann da um kurz vor 7 Uhr angekommen. Trotz der frühen Uhrzeit schon viel los, oder vielleicht eher „noch“ viel los? Egal, beim Minitaxibahnhof dann warten, was auch sonst. Die Hochzeit fand nämlich in Ladysmith statt, also ein ganzes Stück von Pietermaritzburg entfernt. Also haben sich alle Gäste aus PMB gesammelt, um gemeinsam dorthin zu fahren. So gegen 8 Uhr waren dann alle da und die beiden Minitaxis gefüllt. Da haben wir dann auch das Transportgeld bezahlt, also 180 ZAR, ca. 17€.

Kam mir erst mal echt viel vor, aber nachdem wir dann nach Ladysmith 2 ½ Stunden unterwegs waren, doch nachvollziehbar. Es war eine lange Fahrt und Südafrikaner sind echt laut… Aber ich hab einfach viel aus dem Fenster und so auch viel von der Natur gesehen. Denn es ging fast die ganze Zeit durch die Pampa. Also es war schon eine große Straße, aber einfach umgeben von nichts! Zwischendrin gab es dann Chips und Kekse als Snack. Die Straße war Mautpflichtig, und an der Mautzahlstation wurde das andere Minitaxi von der Polizei angehalten und kontrolliert. Wir haben ein Stück weiter gewartet.

Pause wurde dann an einer Tankstelle in Ladysmith gemacht, also sind alle aufs Klo. Es gab auch ein „Wimpy“, das entspricht ungefähr einem Burger King, und es war echt krass, denn in dem Restaurant saßen fast nur weiße Familien! Die waren dann auch sehr erstaunt, mich zu sehen, so inmitten einer schwarzen Gruppe. Als ich dann zurück zum Taxi gelaufen bin, waren die Weißen weg. Trotzdem waren noch welche auf den Parkplätzen. Es ist echt komisch, Weiße zu sehen. Weil ich denk mir dann schon so: oh, wow, ich bin nicht allein! Und dann fühl ich mich auch irgendwie mehr mit denen verbunden als mit dem Rest der Menschen hier. Aber das ist eigentlich völliger Unsinn, denn es ist gut möglich, dass die trotzdem Südafrikaner sind, oder Australier oder Amerikaner oder sonst was. Deswegen weiß ich auch immer nicht, ob bzw. wie ich die ansprechen soll… Allgemein waren in Ladysmith viele weiße Personen unterwegs. Auch war das Willkommensschild auf Englisch und auf Afrikaans, also kann es sein, dass es so etwas wie eine weiße Hochburg in Kwazulu-Natal ist.

Nach der Pause ging es dann weiter zum Haus der Braut, und die wurde dann zum Auto geführt und dann ging es in hupender Autoschlange aus der Stadt raus zur „Mimosa-Farm“. Dort fand die Trauung statt, und es sah so aus, wie bei kitschigen Hollywood-Hochzeiten: grüner Garten, weiße Gartenstühlchen, roter Teppich, weißer Pavillon. Also einfach nach zu viel Geld. Auch war das Anwesen echt riesig und gut gepflegt. Es hat nur noch der strahlende Sonnenschein gefehlt. Aber auch ohne den war es warm genug.

Da meine Gastmum die Tante des Bräutigams ist, waren wir VIPs und durften auf den Stühlen Platz nehmen. Was echt angenehm war, denn wie immer musste man noch warten. Dann kamen erst der Bräutigam, die Bestmen und die Pageboys, dann die „Maitress of Honor“ (das ist eine Freundin der Braut, die sich irgendwie um alles kümmert) mit den Blumenmädchen, die getrocknete Rosenblütenblätter auf dem roten Teppich verstreut haben. Die Brautjungfern kamen dann auch zu einem eigenen Lied herein, und alle hatten die gleichen krass hohen Schuhe an! Irgendwann wurde dann auch die Braut reingeführt und die Trauung begann. Ich hab Bilder gemacht, dann war der Akku leer. Aber ich hatte zum Glück noch den Ersatzakku dabei.

Die Trauung an sich war weniger spannend, weil ich nichts verstanden hab, bzw. es eben das Übliche war mit dem Eheversprechen und so. Interessant war dann nur, dass für das Brautpaar gebetet wurde und dazu alle Anwesenden aufgestanden sind und die Hände symbolisch nach vorne gehalten haben, um den Segen mit zu überbringen.

Danach musste ich dann viele Bilder von verschiedenen Leuten machen, also z.B. von der Mutter meiner Gastmum, oder ihrem Bruder und zwei seiner Söhne oder einfach irgendwelchen Leuten, die gerne von mir fotografiert werden wollten. Und natürlich wollen die die Bilder jetzt auch haben… Aber ich hab beschlossen, die daheim in Deutschland auf eine CD zu brennen und meiner Gastmum zu schicken, die soll sie dann der Familie weiterreichen zum Verbreiten.

Dann ging es wieder mit dem Minitaxi weiter zu einer Halle, vor der wieder gewartet wurde. Eigentlich gab es auch kleine Snacks, aber wie das eben so ist, nehmen sich die Ersten immer viel zu viel, und so bleibt für die Hälfte der Gäste nichts mehr übrig. Der Saal war wieder echt krass geschmückt und die Hochzeitstorte sah so gut aus!! Das hab ich auch alles fotografiert :).

Es waren wieder einmal zu viele Gäste da, sodass eben die Tische und Stühle knapp wurden, also mussten da noch welche angekarrt werden. Als VIP haben wir natürlich einen guten Platz bekommen. Die Tische waren prächtig dekoriert und auf jedem Platz stand eine kleine Box mit verschiedenem Gebäck und ein kleineres Päckchen mit einem Stück Kuchen. Das war aber auch gut so, denn mittlerweile war es schon 3 Uhr nachmittags und der Hunger machte sich bemerkbar.

Dann die üblichen Reden von je einem Teil der Familie, je einem Freund, dann ein „Word of Wisdom“, der Essenstoast. Dann gab es endlich Essen und das war reichlich genug! Es gab Reis, Beefcurry, welches sehr scharf war, Kartoffelsalat, Lebersalat, Bohnen-Pilz-Salat, Rote Beete, Brokkoli-Apfel-Salat, griechischer Salat (Gurken, Feta, Zwiebeln) und danach noch einen Nachtisch, der aus Vanilleeis, weißem Fruchtquark und rotem Frucht-irgendwas bestand. Danach war ich echt voll gefuttert… Aber wenn auch immer alles so gut schmeckt!

Der Blumenstrauß wurde geworfen, es war wie immer eine kleine Keilerei. Für die jungen Männer gab es auch so etwas, denn der Bräutigam hat der Braut ein Strumpfband ausgezogen und das dann geworfen. Es wurde dann auch mit Sekt angestoßen. Es war alkoholfreier Sekt, der eigentlich nur nach süßem Traubensaft geschmeckt hat.

Dann ging es langsam wieder zurück zum Haus der Braut. Also natürlich verbunden mit viel Gewarte. Es ist kalt geworden, aber wir sind recht bald ins Haus gegangen und haben uns da hingesetzt. Es gab dann „Meat and Dumpling“, also das Rindfleisch und afrikanisches Brot. Obwohl ich schon voll war, hab ich höflicherweise zumindestens ein bisschen was gegessen. Aber ich war dann echt müde und hab mich leicht fiebrig gefühlt, also mit Hitze- und Kältewellen so nacheinander.

Um 19 Uhr ging es dann mit dem Minitaxi wieder 2 ½ Stunden zurück nach PMB. Aber da es dunkel war, hab ich einfach ein bisschen geschlafen bzw. gedöst. Wir sind dann zum Haus des Bruders, also des Vaters des Bräutigams gefahren und in ein Zimmer, wo schon ein paar Frauen auf zwei Betten saßen. Also sehr viel mehr war in dem Zimmer auch nicht drinnen, denn die Betten waren jeweils 1,20m breit. Da ich müde war, hab ich mich auf das eine gelegt und hab ein bisschen gedöst. Später hab ich mich dann umgezogen, ich hatte ja Schlafklamotten dabei, und bin unter die Decke geschlüpft. Außerdem hab ich die Oropax in die Ohren getan, denn die Frauen waren noch ziemlich lange ziemlich laut. Aber so konnte ich zumindestens ein bisschen schlafen/dösen.

So ging also der erste Tag zu Ende.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sahra (Montag, 29 Oktober 2012 23:24)

    Woow! Das sieht echt toll aus, ich glaub so will ich auch mal heiraten! ;)