Der Tag der Eintagsfliegen

Dienstag, 13. November 2012

 

Die vergangene Woche war eine ganz normale Woche, ohne große Besonderheiten. Außer dass am Dienstag ein Junge Geburtstag hatte, Baba, und seine Mutter ihm eine Torte mitgebracht hatte. Keine selber gebackene, sondern eine gekaufte. Die wurde dann feierlich angeschnitten, während alle anderen Kinder im Kreis drumherum saßen und die Stücke wurden verteilt. Als Betreuerin ist man wichtig, deswegen hab ich ein großes Stück bekommen und das hat mir dann auch für den Rest des Vormittags an Essen gereicht. Also nicht, dass die Torte schlecht war oder so, es war eine Art Schwarzwälderkirschtorte, mit Schokoladenteigboden und Kirschmarmelade und natürlich ganz viel Sahne. Und die viele Sahne und der viele Zucker haben meinen Magen dann sehr gut gefüllt. Normalerweise bekomme ich immer Hungerattacken oder ich esse aus Langeweile, beides nicht gut. Ich versuche was dagegen zu unternehmen, in dem Ich viel frühstücke, dann Kaugummis mitnehme und außerdem irgendeine Beschäftigung zu suchen, z.B. mein Nageletui, damit ich meine Nägel feilen kann.

 

Ich habe mir noch ein paar gute Wörter angeeignet: „Lala“ – Schlaf(t), „Vosa“ – Komm(t), „Suka“ – Rutsch(t). Auch hier gilt wieder, dass es lediglich die phonetische Schreibweise ist, da ich die Worte ja immer nur höre bzw. sage, aber eben nie geschrieben vor mir sehe. Außerdem habe ich angefangen den Kindern „The Ugly Duckling“ vorzulesen. Das ist ein Buch mit ganz vielen Bildern, also die Geschichte besteht aus wenigen Sätzen, und so kann ich es den Kinder verständlich machen, indem ich lese und die Bilder zeige und erklärende Bewegungen mache. Das macht ihnen viel Spaß, sie fangen auch an, die Bewegungen nach zu machen und die Geschichte mit zu sprechen, weil ich sie eben öfter vorlese. Ach, irgendwie macht es schon Spaß mit den Kindern zu arbeiten!

 

Am Samstag wollten wir ja ursprünglich geplant den Dean besuchen, aber der war dann doch nicht da das Wochenende, also war ich daheim. Der Vormittag verging furchtbar langsam, ich hab aus Langeweile ganz viel gegessen, da gab es ausnahmsweise mal Toast im Haus… Nachmittags dann hat mich Nkosi gefragt, ob ich mit ihm und seiner Cousine Tobheka zur Mall gehen will. Ich hab zugesagt, denn ich wollte sowieso mal shoppen gehen, aber nur mit Nkosi und seinem Kumpel wollte ich dann auch nicht. Allerdings sah es dann so aus, dass wir dort die andere Cousine und den Cousin getroffen haben, dann Chips und Kekse gekauft wurden und wir uns dann wieder auf den Rückweg machen wollten. Also hab ich gefragt, ob ich nicht wenigstens kurz mal in den einen Laden reinschauen darf, um mir was zu kaufen.

 

Klamottenmäßig gab es nicht wirklich viel, was mir gefallen hätte. Außerdem weiß ich meine Größe nicht, denn das ist ja anders als bei uns. Also hab ich mich den Schuhen zugewandt, aber nachdem ich Größe 3 probiert hab, und die mir immer noch ein bisschen zu groß waren, wollte ich nicht nach Größe 2 bei den Kinderschuhen gucken… Ich hab dann schließlich eine kleine Tasche gefunden, die von allen Sachen im Laden noch am afrikanischsten aussieht. Außerdem war sie gar nicht teuer. Die Verkäuferin hat sich dann beim Abkassieren verrechnet, nachdem ich sie darauf hingewiesen hab, hat sie nur wieder gesagt, dass das schon so stimmt und dann wollte ich auch nichts mehr sagen, also hat sie mir 3 ZAR geschenkt, was aber gerade mal 25 ct sind ;).

 

Am Sonntag bin ich das erste Mal mit den beiden Jungs und meinem Gastdad in die Kirche in Imbali gegangen, da war ich an meinem allerersten Tag und am Beerdigungsgottesdienst schonmal, aber sonst war ich immer mit meiner Gastmum unterwegs. Es war schon morgens um 8 Uhr, als wir uns auf den Weg gemacht haben, echt warm und die Sonne hat vom wolkenlosen blauen Himmel geschienen. Es war ein Fußweg von ungefähr 20 Minuten, und es ging immer bergauf und bergab, weil hier alles hügelig ist. In der Kirche dann eben Gottesdienst. Und zwar 4 Stunden lang… Der Anfang ist immer ganz nett, mit viel Singen und Liturgie und Bibellesen. Aber dann kommt die Predigt auf Zulu und da verstehe ich dann nichts. Also hab ich einfach ein bisschen in der Bibel gelesen, denn sonst hätte ich mich noch mehr gelangweilt.

 

Gleich zu Beginn wurden die Deckenventilatoren eingeschaltet, trotzdem war es echt heiß in der Kirche. Als die Predigt dann nach einer Stunde endlich vorbei war, wurde es wieder etwas interessanter, denn dann ging es zur Kollekte und da konnte ich wenigstens etwas herumlaufen, eben einmal in der Kirche herum. Danach gab es Abendmahl und ich hab mich wirklich auf den winzige Schluck Wein gefreut, denn es war ja so warm und ich hatte nichts zu trinken dabei und mir war schon schwindlig… Nachdem alle bedient waren, kam wieder irgendein Gelaber, von dem ich eben nichts verstanden habe. Ich habe dann beobachtet, wie eine Frau reinkam mit einer großen Kiste in der längliche Boxen aus Styropor lagen. Diese Boxen hat sie dann den einzelnen Gottesdienstbesuchern in die Hand gedrückt, es war ein kleines Mittagessen, bestehend aus einem Hotdogbrot, einem Klecks Karotten-Erbsen-Bohnen-Gemüse und einem Stück Hühnchenfleisch.

 

Gut wie ich bin, hab ich mir natürlich ein Stück Karotte auf meine Bluse fallen lassen, was dann einen hübschen orangenen Fleck hinterlassen hat, mit dessen Entfernung ich mich dann den Rest des Gottesdienstes vergeblich beschäftigt habe. Aber nachdem ich dann meine Tasche umgehängt hab, hat man den Fleck gar nicht gesehen, weil er perfekt von dem Taschenbändel (wie auch immer es richtig heißen mag…) verdeckt wurde.

 

Dann ging der Weg durch die sengende Mittagshitze wieder heimwärts, und da auf dem ganzen Weg kein Schatten war, hatte ich Angst, einen Sonnenbrand zu bekommen, obwohl ich mich am Morgen extra eingecremt hatte. Aber keine Sorge, es ist nichts passiert ;) Den Rest des Tages habe ich dann am Boden in meinem Zimmer verbracht, da war es aushaltbar kühl. Ich hab mit meiner Familie geskypt, „How I Met Your Mother“ geguckt und aus Langeweile ein paar Kekse gegessen, obwohl ich wirklich keinen Hunger hatte.

 

Am Abend kommt mein kleiner Bruder ins Zimmer und sagt, dass seine Mum sagt, ich soll kommen und was fotografieren. Ich blicke aus dem Fenster und sehe tausende von fliegenden Tierchen, die sich im Licht der Straßenlaterne tummeln. Ich schnappe meine Kamera und gehe raus. Es waren wirklich unglaublich viele Fliegeviecher! Als ich da stand, um das irgendwie aufzunehmen, sind auch ständig welche gegen mich geflogen, die waren einfach überall.

Luftangriff.
Luftangriff.

Und außerdem waren die groß, der Körper hatte eine Länge von ca. 2 cm und jeder der vier Flügel war ca. 4 cm lang. Mit der Zeit wurden es aber weniger in der Luft, die sind dann auf dem Boden gelandet und haben ihre Flügel verloren. Zuerst dachte ich noch, dass das aus Versehen passiert ist, aber als sich die Tierchen dann gepaart haben, hab ich mich schon gewundert. Ich hab versucht das Ganze in Bildern zu fesseln, aber die Lichtverhältnisse haben es mir schon sehr erschwert.

Am nächsten Tag lagen überall verstreut die Flügel und dazwischen krochen sterbend übriggebliebene Tierchen. Das war das Ende der Eintagsfliegen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0