It's the final Countdown

Donnerstag, 29. November 2012

 

Heute Morgen wunderschönes Wetter, die Sonne strahlt vom blauen, wolkenlosen Himmel. Ich wache recht früh auf und nutze die Zeit und die Energie, die ich habe, um ein bisschen Work-Out zu machen. Also ein paar Sit-Ups, ein paar Übungen für die Beine und den Rücken. Als dann meine Gastmum mich immer noch nicht zum Frühstück gerufen hat, geh ich trotzdem aus meinem Zimmer. Das Essen ist auch fast fertig. Es gibt frisch aus dem Sandwichmaker Käsesandwichs. Da meine Gastmum weiß, dass ich braunes Toatsbrot lieber mag, entschuldigt sie sich, weil es eben ein weißes und ein braunes Toast ist. Aber so schlimm ist das ja auch nicht. Ich finde nur, dass das braune Toastbrot einfach nach mehr schmeckt.

Ich ziehe zum ersten Mal zur Arbeit einen Rock an und werde dementsprechend auch von allen angeguckt. Und dafür gelobt. Sonst sehen sie mich eben immer nur in knittriger, schlapprigen Hose. Ich wurde auch oft gefragt, warum ich denn meine Hose nicht gebügelt habe, denn so läuft man als „Lady“ doch nicht herum… Es ist Frauen nicht untersagt, Hosen anzuziehen, aber trotzdem tragen die meisten einen Rock. Hosen tragen nur die jungen Frauen. Ich bin jung, also darf ich das :).

Es waren 22 Kinder da, also diese Woche kommen viele immer sehr spät. Normalerweise sind gegen 9 Uhr alle Kinder da, die an dem Tag kommen, aber zur Zeit wird es auch mal halb 10 oder 10 Uhr, bis die letzten Kinder eintrudeln. Es war entspannt, ich hab meine Gruppe mit den Stecktafeln spielen lassen, das mögen die. Beim Second Ring hab ich wieder mit den Kleinen gespielt. Maponisa ist so ein putziges Wesen. So einen halben Meter hoch und quicklebendig, hupft herum, rennt im Raum umher oder dreht sich so schnell sie kann im Kreis und giggelt, wenn sie umfällt.

Wenn ich so mit den Babys spiele, dann fällt mir schon auf, wie groß sie geworden sind. Ich begleite sie schon seit 11 Wochen, also knapp 3 Monate. Und bei Babys ist das eine lange Zeit. Wenn sich ein 3 Monate altes Babys plötzlich ein halbes Jahr alt ist, macht das einen Unterschied. Plötzlich können sie krabbeln oder sitzen oder sehen einfach älter aus und verlieren vielleicht sogar ein bisschen Speck. Also Siyanda ist zwar immer noch fett, aber sie ist echt groß geworden (sogar größer als Maponisa). Und ihr Gesicht wirkt nicht mehr so dick und sie krabbelt sogar ein wenig! Zwar nicht so viel wie Luyanda, den man immer beaufsichtigen muss, weil er sonst wohin robben würde, aber trotzdem gut. Auch mein kleines Lieblingswürmchen, dessen Namen ich leider nicht weiß, ist ganz aktiv, so dass man aufpassen muss, dass er nicht vom Bett fällt. Ach, ich werde die Kinder schon vermissen…

Als sie dann wieder fast alle schlafen, hab ich wieder sehr viel Zeit. Diesmal hab ich keine Lust mich mit meinem Handy zu beschäftigen und gucke aus dem Fenster. Wenn ich auf dem Bett sitze, hab ich perfekte Aussicht auf die Straße und die Leute, die da vorbei laufen. Immer so gegen 1 Uhr läuft eine Frau vorbei, die auf ihrem Kopf ungefähr 5 Bananenkarton balanciert. Also solchen Frauen begegnet man hier oft, das ist kein Märchen, das man aus Kinderbüchern lernt, sondern Realität. Und irgendwie faszinierend zu beobachten. Also es sind nicht immer Bananenkartons mit Obst, sondern auch mal ein Sack mit 10 kg Reis oder Ähnliches. Mir würden die nötigen Nackenmuskeln fehlen, um so ein Gewicht überhaupt auf meinem Kopf zu halten. Vermutlich haben die Frauen das geübt seit sie jung sind und dann ist es kein Problem mehr.

Später dann muss ich mal wieder zum Lappen greifen, diesmal hat sich Baba im Schlaf in die Hose gepinkelt… Ziemlich an genau derselben Stelle, an der gestern das Missgeschick von Dobheko stattgefunden hat. Bin ich froh, dass ich in diesen Räume nicht mehr so lange sein werde, denn langsam ekelt mich alles ein bisschen. Also barfuß lauf ich nicht mehr herum. Windeln hab ich heute auch viele gewechselt, und irgendwie schaffen es die Kinder immer, eine riesige Portion reinzupacken. Da hab ich dann immer etwas Schwierigkeiten, alles zu säubern, aber irgendwie klappt es immer. Ach ja, wo wir gerade beim Pinkeln sind: beim Windelnwechseln haben auch zwei kleine Jungs noch aufs Bett gepinkelt. Wird dann zwar immer mit einem Lappen so schnell wie möglich entfernt, aber trotzdem ist es da. Und ich werde angewiesen, meine Schuhe vom Bett unten zu halten, wegen der „germs“, die sich an ihnen angesammelt haben…

Oh man, es sind jetzt wirklich nur noch 10 Tage, die ich hier in Südafrika verbringen werde. Das ist wirklich nicht viel Zeit. Vielleicht ist das der Grund, warum ich jetzt doch wieder sehr viele Berichte schreibe, einfach, weil ich noch so viele Erinnerungen wie möglich festhalten will. Ich merke nämlich, dass ich schon anfange einiges zu vergessen. So von meinen ersten Wochen. Im Prinzip ist es ja nicht so schlimm, da ich ja viele Erinnerungen habe, und auf jeden Fall etwas übrig bleiben wird. Aber trotzdem versuche ich mich an alles zu klammern, was noch da ist. Und wenn ich es hier aufschreibe, dann bleibt es mir doch länger erhalten.

Ich weiß nicht, ob ich meine Familie wirklich vermissen werde. Ich mein, ja, ich hab 3 Monate mit ihnen zusammen gelebt, aber ich hatte da auch nicht so viel Kontakt. Und allgemein ist einfach das Familiengefühl hier überhaupt nicht vorhanden, also auch ohne mich. Gemeinsame Essenszeiten sind nicht wichtig. Es ist sogar schon öfters vorgekommen, dass ich zum Essen gerufen wurde und dann allein am Tisch war, während der Rest der Familie am Sofa vor dem Fernseher saß. Ich hab es als unhöflich empfunden, aber wollte dann auch nichts sagen. Ich beeile mich dann mit dem Essen und verschwinde wieder schnell in mein Zimmer. Klar unterhalte ich mich ab und zu mal mit meiner Gastmum. Zum Beispiel letzte Woche Freitag, da war es ja so heiß und abends saßen wir dann gemeinsam auf der Veranda und haben was Kühles getrunken. Da haben wir uns über Familie und Weihnachten und so unterhalten, das war wirklich schön. Aber solche Momente sind leider echt selten gewesen.

Sehr viel häufiger hab ich meine Gastmutter als böse Mutter gesehen. Baphiwe macht wirklich viel Schrott, aber sie hat einfach nie ein liebes Wort für ihre Kinder. Immer sind sie die Bösen, die nur Unsinn im Kopf haben. Einmal hat sie mir auch erzählt, dass sie keine Kinder in die Welt gesetzt hätte, wenn sie gewusst hätte, wie anstrengend und nervig sie sind. Sie würde jetzt so ein Leben wie Sr. Happiness vorziehen, also als Nonne in einem Konvent. Das fand ich schon ziemlich krass als sie es mir erzählt hat… Ich wusste dann auch nicht so wirklich, was ich darauf erwidern sollte. Ich weiß auch nicht mehr, was ich gesagt hab, ich glaub ich hab mich irgendwie rausgewunden. Man merkt aber, dass sie eigentlich keine Lust auf Kinder hat. Wie schon mal gesagt: Geburtstagsgeschenke gibt es auch nicht. Und sie weiß auch nicht sicher, wie alt die Kinder sind. Klar, vielleicht sind solche Sachen auch nicht so wichtig. Aber Berührung, also körperliche Nähe und Liebe gibt es nicht. Da ich einfach etwas ganz anders gewohnt bin, ist das einfach unvorstellbar für mich. Und das ist vielleicht auch ein Grund, weswegen ich mich hier nicht so eingelebt habe in die Familie. Ich freu mich wirklich auf meine Familie und darauf, gemeinsam Tee zu trinken und zu diskutieren und einfach zu reden und auch gerne mal etwas streiten und sich hinterher zu versöhnen. Immer noch besser als keine Kommunikation und nur böse Worte.

Also Mama, Papa, und liebe Schwestern wenn ihr das lest: vielen Dank, dass ihr Wert auf Liebe und Kommunikation legt! Ich weiß das jetzt alles viel mehr zu schätzen. Denn ohne geht es einfach nicht. Das ist für mich nicht Familie. Ich vermisse euch! Aber bald kann ich den Kreis der Familie ja wieder genießen und dann gibt es hoffentlich ganz viele adventliche Teerunden mit hoffentlich ganz vielen Plätzchen und Lebkuchen :) Ich hab euch sehr lieb!<3

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Kommentare: 2
  • #1

    Sahra (Freitag, 30 November 2012 02:14)

    So eine süße Liebeserklärung!! :)

  • #2

    Katismati (Samstag, 01 Dezember 2012 18:09)

    Danke, mein Liebes! Wir haben dich auch sehr lieb und vermissen dich!