Graduationparty

Samstag, 1. Dezember 2012

 

Für heute ist Programm geplant, eine Graduationparty in der Creche meiner Gastmum. Die Kinder bekommen bestätigt, dass sie erfolgreich die Pre-School angeschlossen haben.

Um halb 9 gehen wir also aus dem Haus, obwohl das Programm erst um 11 Uhr beginnt, denn es muss gekocht werden. Als wir aus der Haustür treten, bleibt auf der Straße ein Betrunkener stehen und glotzt mich an. Er will sich mit uns unterhalten und begleitet uns auf unserem Weg. Aus irgendeinem Grund will er unbedingt die Tasche tragen, in der ein paar Sachen zur Dekoration sind, und reißt sie meiner Gastmum quasi aus der Hand. Außerdem behauptet er, gar nicht zu trinken -> in der Hand hält er eine offene und angetrunkene Flasche Bier. Aber die ist für seinen Onkel.
Er ist ziemlich hartnäckig und hat anscheinend auch nichts zu tun, denn er folgt uns lange. Wir gehen eine Strecke, die ich davor noch nie gesehen habe. Und zwar ein Stück auf den Eisenbahngleisen. Das sieht ziemlich schön aus, und ich will es fotografieren, aber meine Gastmum verbietet es mir, da sie Angst hat, dass der Betrunkene die Kamera dann haben will. Also bin ich sauer auf den blöden Mann, der auf die typische südafrikanische Weise trotzdem freundlich behandelt wird. In Deutschland hätte man so jemanden doof angeschaut und gebeten, weg zu gehen. Meine Hoffnung war, dass ich auf dem Rückweg ein paar Bilder machen kann. Aber mir wird gleich gesagt, dass wir nicht denselben Weg zurücknehmen werden.

Nach ca. 15 Minuten Fußweg kommen wir in Machibisa an. Dort ist die Creche meiner Gastmum. Und die ist einfach riesig und sehr gut ausgestattet und es gibt einen Außenbereich mit Klettergestell! Ja, mein Leben hier in Südafrika hätte ziemlich perfekt laufen können, wenn ich in dieser Creche beschäftigt gewesen wäre. Ich hätte jeden Tag Bewegung gehabt, durch den Weg hin und zurück. Ich hätte mit weniger Kindern und mehr Platz viel mehr Möglichkeiten gehabt und hätte mich da kreativer einbringen können. Außerdem hätte ich Laura aus Amerika kennengelernt, die ja im Büro des Dean gearbeitet hat, das direkt neben der Creche ist, und hätte so Kontakt zu jemandem knüpfen können.
Aber wer will schon immer perfekt? So musste ich mir eben etwas einfallen lassen, um mit vielen Kindern und wenig Platz und Material zurecht zu kommen. Und ich hatte tatsächlich eine Funktion. Denn die Creche in Machibisa hat genug Betreuerinnen für die geringe Kinderanzahl (ich glaub 3 auf 20 Kinder!). Da wäre ich nur herumgestanden. Und so kann ich mir sagen, dass ich „meinen“ Kindern zumindestens 3 Monate lang etwas beigebracht habe. Und es gab ja auch echt schöne Momente, weil die Kinder mir doch ans Herz gewachsen sind und putzig sind. Egal, wie viel sie schreien und toben und nerven. Ich hatte eine schöne Zeit mit ihnen, die ich nicht vergessen werde. Was brauche ich da ein perfektes Leben :).

Ich hab meiner Gastmum geholfen, alles im Raum herzurichten, also Tische und Stühle und etwas dekoriert. Dann ist sie zu den anderen Betreuerinnen in die Küche und hat gekocht. Ich hatte nichts zu tun, und es war erst kurz nach 9 Uhr. Also bin ich mit meiner Kamera etwas herumgelaufen und hab Bilder gemacht. Ich habe das Kirchengrundstück verlassen und bin ein paar Schritte auf der Straße gelaufen, um die Häuser in der Nachbarschaft zu fotografieren und einfach ein bisschen Südafrikaeindrücke einzufangen. Und als es dann immer noch nichts zu tun gab, hab ich in der Küche das Essen fotografiert. Ich war gespannt, welche Gewürze zum Zubereiten verwendet werden, um es eventuell mal nachkochen zu können. Aber ich habe nur eine Ingwer-Knoblauch-Mischung und einen Beutel Barbecue-Gewürzmischung gesehen. Anscheinend langt das.

Als ich dann wieder zurück in den Raum/Saal bin, war da ein kleines Mädchen. Das hat echt gut Englisch gesprochen und mit ihr hab ich mich dann ein bisschen unterhalten. Sie hat mich gefragt, ob ich einen „boyfriend“ habe, und ob ich ihn küsse. Das fand sie dann sehr witzig :). Und ist irgendwie auf die Idee gekommen, dass sie mich jetzt auch küssen muss. Aber ich hab sie dann doch davon abhalten können. Umarmen war okay ;). Mit ihr hab ich dann auch Bilder gemacht.

Dann gab es endlich mal eine Aufgabe für mich: ich sollte Snackteller füllen. Also mit verschiedenen Chips, Popcorn, Kaubonbons, Cracker und einer Erdnuss-Rosinen-Mischung. Das hat mich dann so eine halbe Stunde beschäftigt und dann saß ich wieder rum. Also hab ich was getrunken und mir meine Hände mit Handcreme eingeschmiert. Das ist meine kleine Nebenbei-beschäftigung, wenn ich mal wieder nichts zu tun habe. Nach und nach kamen Mütter mit ihren Kindern. Aber das hat mich auch nicht von meiner Langeweile abgebracht.

Gegen halb 1 ging es dann endlich los (mit 1 ½ Stunden Verzögerung) und die Kinder haben ein bisschen was vorgesungen und dann kleine Reime aufgesagt. Ich war wirklich erstaunt, wie viel die Kinder konnten! Meine Kinder hätten das nicht so gut hinbekommen, also die Ältesten vielleicht, aber hier konnten sogar die Kleinen alles sagen. Da sieht man dann auch wieder, dass Kindergarten nicht gleich Kindergarten ist.

Dann wurde es abgedreht. Und zwar sind die 6 Kinder, die eben die Pre-School abgeschlossen haben, mit in die Küche und dort wurden sie kostümiert. So voll University-Graduation-Style mit schwarzem Gewand, Schärpe und dem Hütchen. Und in dem Stil ging dann auch alles weiter. Sie sind gemeinsam feierlich wieder in den Raum eingezogen und haben dann ihr Diplom überreicht bekommen. Darauf folgten unzählige Bilder mit Familie/Mutter und Freunden, die ich alle machen musste. Und es waren wirklich viele Bilder…

Mittlerweile wurde ich immer hungriger. Es war auch schon 2 Uhr nachmittags und ich hatte seit meinem Frühstücksbrei nichts mehr gegessen. Die Kinder durften sich dann an Tische setzen und haben Snackteller und Äpfel und Muffins bekommen. Irgendwann wurde dann auch jedem ein Teller ausgeteilt mit Essen. Bis ich mein Essen bekommen habe, hat es allerdings noch bis halb 3 gedauert. Es gab Reis, Hühnchencurry/-eintopf, Rotebeetesalat, Kraut-Karotten-Mayo-Salat und Bohnen. Hab ich alles ganz schnell verschlungen, war auch ganz gut. Als Nachtisch gab es dann Custard mit Obst. Ich weiß nicht genau, aus was Custard besteht, es schmeckt wie überzuckerter Vanillepudding. Und sieht auch so aus. Das ist übrigens auch ein sehr typischer Nachtisch, den ich auch bei der einen Hochzeit bekommen habe. Dann war ich aber wirklich satt und voll und zufrieden.

Da ich am Nachmittag mit meiner Familie skypen wollte, hatte ich extra gefragt, wann wir denn voraussichtlich wieder daheim sein werden. Meine Gastmum meinte dann, dass wir gegen 2 oder 3 Uhr fertig sein würden. Also hab ich meine Familie zum Skypen um 4 Uhr meine Zeit eingeladen.
Nun war es aber schon 3 Uhr nachmittags und ich wurde langsam ungeduldig. Die Eltern sind dann recht schnell gegangen und wir haben uns ans Aufräumen gemacht. Erstaunlicherweise ging das wirklich schnell und plötzlich war der Raum wieder sauber. In der Küche wurde noch abgespült und meine Gastmum hat sich hingesetzt und was gegessen. Das fand ich auch noch okay, obwohl es schon halb 4 war. Aber ich dachte mir, dass meine Familie bestimmt auch eine halbe Stunde warten könnte.

Südafrikaner essen Megaportionen und reden dabei auch gerne. Deswegen hat sich das ewig hingezogen und um vier Uhr hab ich meine Gastmum mal darauf angesprochen, dass ich gerne heimgehen würde.
Als sie dann endlich mit dem Essen fertig war, hab ich mir Hoffnungen gemacht, aber dann kam noch irgendwas anders in den Weg. Ich wurde langsam etwas sauer. Also hab ich nochmal gefragt, wann wir denn jetzt endlich heimgehen. Da meinte sie: geh doch allein, du weißt den Weg doch! Ich hätte es ja auch gemacht, sie hat dann nur irgendwas hinzugefügt, was ich nicht ganz verstanden habe, aber was mir klar gemacht hat, dass das nur ein doofer Witz von ihr gewesen war. Schließlich meinte sie, dass wir jetzt gehen. Aber dann musste sie doch noch irgendwo in einer Ecke kehren. So ging das eine zeitlang.

Um fünf Uhr sind wir dann tatsächlich gegangen, uns hat irgendwer heimgefahren. Ich war ziemlich angepisst, denn sie hätte mir ja gleich sagen können, dass es so spät wird! Ich hatte je gefragt, wann wie wieder daheim sei würden, und nicht, wie lange es dauert.
Also schnell ins Internet, in der Hoffnung, dass meine Familie noch in Skype wartet. Hat sich dann erledigt, weil meine Mama mir geschrieben hatte, dass wir doch bitte erst um 18 Uhr telefonieren wollen, damit sie den Nachmittag mit Schnee genießen können.

Trotzdem war ich echt genervt von Südafrika in dem Moment und wollte einfach nur noch nach Hause nach Deutschland. Ich bin es einfach noch zu sehr gewohnt, Zeiten einzuhalten, bzw. sich nicht zu viel zu verspäten. 2 Stunden Verzögerung sind in Deutschland einfach nicht zulässig. Hier ist das normal. Irgendwie war das schon traurig, weil es eben jetzt eine schlechte Erfahrung war, die so kurz vorm Ende mir das Bild von Südafrika vermiest hat. Aber so bin ich noch mehr voller Vorfreude und kann es kaum erwarten heim zu kommen.

 

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