Nachtrag: Gruselgewitter

Donnerstag, 6. Dezember 2012

 

Heute gibt es noch eine Extraportion Südafrika-Bericht, weil einfach doch noch viel passiert ist.
Wie schon erwähnt, habe ich mich nach dem Besuch in der Mall um meinen mp3-player gekümmert und hab ihn neu befüllt mit guter Musik. So gegen 5 Uhr wurde mir eine Art Abendessen/Nachmittagssnack in mein Zimmer gebracht. Ein Stück Fisch in Panade und vier Scheiben Toast. Das hab ich dann so nebenbei gegessen.


Später kam Nkosikhona wieder heim, er war nämlich unterwegs gewesen. Und er hat mich gefragt, ob ich ihm helfe, „Chips“ zu machen. Also haben wir Pommes gemacht. Ich hab eigentlich eher weniger gemacht. Als er die Kartoffeln geschält und geschnitten hat, hat mir nämlich Baphiwe gerade zwei Früchte in die Hand gedrückt. Die eine war knallrot, also so wie die Schneewittchenäpfel immer aussehen, bloß kleiner. War wohl eine Art Pflaume, das Fruchtfleisch war ganz gelb. Das andere Stück Obst war eine Mango! Doch nicht groß und gelb-grün, sondern klein und eher nur grün. Die Schale konnte man leicht mit der Hand abziehen, nachdem man sie mit den Zähnen etwas weggemacht hatte. Es hat schon ziemlich gut nach Mango geschmeckt, doch irgendwie habe ich so richtiges Fruchtfleisch vermisst. Es waren eher Fasern mit etwas Mangogeschmack. Und diese Fasern haben sich natürlich sofort zwischen meine Zähne geklemmt und wollten nicht mehr weg…

Die Kartoffelschnitze wurden dann in einen Topf mit etwas heißem Öl gekippt und fritiert. Das ging wirklich schnell! Um Öl zu sparen haben wir die Kartoffeln in drei kleineren Portionen fritiert. Als alle fertig waren, wurde etwas Gewürzmischung drübergestreut. Das war irgendwie ein bisschen scharf, Chilli oder so. Gegessen haben wir dann auf meinem Bett und haben Musik auf meinem Laptop gehört. Das Lied „Bridge over troubled Water“ von Elvis Presley hat Nkosi gut gefallen. Das ist deshalb erstaunlich, weil er als typischer Südafrikaner voll im Hip-Hop und Gangsta-Rap drinnen ist. Bekannt sind da aber auch nur schwarze oder farbige Künstler, also Chris Brown, Beyoncé, Snoop Dogg, P.Diddy und sowas.

Nach dem Essen hab ich angefangen „Die fabelhafte Welt der Amélie“ anzugucken, es war schon halb 10. Während des Filmes hat es draußen zu regnen und gewittern angefangen. Und anfangs hat mich das auch nicht gestört. Doch dann hat es mehrmals ganz hell geblitzt, sodass ich es auch durch meine zugezogenen Vorhänge gesehen habe und ich wurde neugierig. Zuerst habe ich aber meinen Laptop vom Ladekabel abgestöpselt. Und da ich aufs Klo musste, hab ich meine Taschenlampe genommen, nur so für den Fall, dass die Sicherung rausspringt, während ich noch außerhalb meines Zimmer bin.
Ich hab mich also an mein Fenster gestellt und war erstmal fasziniert von dem vielen Wasser, das vom Himmel gefallen ist. Es hat so stark geregnet! Die Straße vor unserem Haus stand schon wieder unter Wasser, bzw. genauergesagt, war ein reißender Strom. Und dann kamen die Blitze… Gleißend hell und haben alles erleuchtet. Immer wieder und wieder, es kamen ganz viele immer kurz nacheinander. Das Gewitter war genau über uns. Denn nach den Blitzen kamen die Donner… Und die hatten es in sich! Das war nicht nur so ein bisschen Grollen, nein, das waren Kanonenschläge! Richtig knallende Geräusche, so wie ein Gewehrschuss, nur viel viel lauter.

Ich konnte gar nicht mehr wegsehen, so sehr hat es mich fasziniert. Solche Gewitter hab ich in Deutschland einfach noch nie erlebt, man bekommt so ein bisschen Weltuntergangsstimmung. Denn plötzlich kam ein langer heller Blitz und das Licht in meinem Zimmer ist ausgegangen! Zum Glück hatte ich meine Taschenlampe in der Hand und der Laptop war nicht am Kabel angeschlossen… Da ich am Fenster stand, war es gar nicht so dunkel, denn außen war es durch die Lampe direkt vorm Haus ziemlich hell. Aber da mich das dunkle Zimmer im Rücken doch etwas gegruselt hat, hab ich die Taschenlampe angemacht und auf die Zimmerdecke gerichtet.

Die Blitze und die Donner wurden immer schlimmer… Immer öfter haben auch die Straßenlampen geflackert oder sind sogar ausgegangen. Und immer wenn ein ganz starker Blitz kam, hat die Stromleitung, die über meinem Kopf verlaufen ist, geknistert. Da hab ich mich dann nicht getraut aufs Klo zu gehen. Und das war echt gemein, weil der Regen so viel geprasselt hat! Aber die Angst war dann doch zu groß und ich bin stehen geblieben, gefesselt von den Naturgewalten. Irgendwo in der Nähe des Krankenhauses ist eine Rauchsäule aufgestiegen. Also jetzt nicht riesig, aber eben doch groß genug um zu vermuten, dass da ein Blitz eingeschlagen ist und einen kleinen Brand verursacht hat. Immer wenn die Blitze wieder alles erhellt haben, wurde der Rauch vor dem dunklen Hintergrund sichtbar.

 

Ich konnte erst wieder vom Fenster weggehen, als das Gewitter weitergezogen ist und die Blitze und der Donner weniger und vor allem leiser wurden. Der Regen ist dann nochmal richtig stark geworden, und hat schließlich aufgehört. Ich bin wieder zurück in mein Bett geschlüpft und hab mir den Film zu Ende angeschaut. Die Taschenlampe habe ich die ganze Zeit weiterhin auf die Decke gerichtet gehabt, einfach, damit es im Zimmer nicht zu dunkel wurde.


Jetzt gerade schreibe ich im Licht von Taschenlampe und Laptop. Aber wenn ich jetzt dann aufs Klo gehen will und dann schlafe, dann muss ich es dunkel werden lassen… Ja, ich geb es zu, ich bin ein kleiner Schisser! Aber das war schon echt ziemlich heftig, das Gewitter. Und dann gruselt mich das eben. Und ganz im Dunkeln in einem Haus unterwegs zu sein, wo sich sonst was für Viecher rumtreiben können, ist auch nicht so ganz ohne. Ich würde bei jedem kleinen Tier erschrecken, auch wenn es nur ein harmloses kleines Gecko ist. Aber da muss ich wohl durch :).

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine gute Nacht!

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