Wenn alle Stricke reißen...

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Heute Morgen bin ich aus irgendeinem Grund schon um halb 6 Uhr aufgewacht. Also hab ich mir das Aufladekabel in mein Zimmer gelegt und meinen Laptop aufgeladen. Gegen Viertel 7 kam meine Gastmum und hat mir mitgeteilt, dass das Frühstück fertig ist. Es waren Thunfischsandwiches. Komischerweise waren im Toastbrot vereinzelte Reiskörner. Und zwar nicht nur an der Oberfläche. Keine Ahnung, wie die da hineingekommen sind. Hat aber am Geschmack nichts geändert, also hab ich es einfach ignoriert.

Gestern Abend hat meine Gastmum ein bisschen herumtelefoniert, um ein Auto zu besorgen, dass mich am Samstag zum Flughafen bringt. Sie hat dann tatsächlich auch eines gefunden, allerdings hätte der Fahrer 400 ZAR, also knapp 35€ dafür verlangt… Und bei den Spritpreisen von ungefähr 1€/l ist das nicht nachvollziehbar. Also hab ich gefragt, ob es nicht eine andere Möglichkeit gäbe. Ich hab eine SMS an Sr. Happiness geschickt, ob sie mich nicht Samstag früh zum Flughafen fahren könnte. Eigentlich war es so geplant gewesen, doch dann hat sie beschlossen da zu ihrer Familie zu fahren.
Am Morgen hab ich dann die Antwort gelesen: sie fährt schon Freitag Früh zu ihrer Familie und kann mich deshalb nicht fahren. Toll, ich stand also da ohne Transport und das zwei Tage vor Abreise… Meine Gastmum ist dann noch schnell zu den Nachbarn und hat die mal gefragt. Der Vater ist eigentlich von heute Nachmittag bis Samstag Nachmittag unterwegs, wäre aber bereit gewesen, seine Pläne zu ändern und schon morgens am Samstag zurück zu kommen.  

Ich war früh mit allem fertig und hatte dann noch genügen Zeit, mich einzucremen. Meine Bodylotion ist fast aufgebraucht, das freut mich sehr! Ich habe dann beschlossen einen Rock anzuziehen und heute meinen letzten Tag in der Creche zu absolvieren. Offiziell war mein letzter Tag schon am Montag, aber ich bin halt trotzdem noch hingegangen. Ich hatte immer noch viel Zeit, also hab ich meine Kamera genommen und noch ein paar Bilder gemacht, so von der Aussicht vor dem Haus. Meine Gastmum hat mit der Wäsche angefangen, ich hab dann alles Schmutzzeug was ich finden konnte zu ihr gebracht. So hab ich sehr gute Chancen, dass ich einen Koffer mit viel sauberer Wäsche mit nach Hause nehmen kann.

Als ich dann endlich zur Creche gegangen bin, waren da erst 4 Kinder. Später sind noch zwei weitere gekommen. Aber das macht eigentlich keinen großen Unterschied. Die haben sich dann auch ganz gut beschäftigt. Zothani hatte so Plastik-Hammer und Plastik-Nägel und so was dabei, das hat die Jungs fasziniert. Bei meiner Ankunft war auch Mrs. Mbona noch bei den Kindern. Ich hab mich dann ein bisschen mit ihr unterhalten. Sie wollte mir unbedingt etwas Geld für meine Arbeit geben. Das Problem ist nur, dass sie seit 3 Monaten kein Geld von der Wohlfahrt bekommen haben. Ich wollte auch kein Geld haben, und hab ihr dann versichert, dass sie es eher brauchen als ich. Ich hab ihr dann auch erzählt, dass meine größte Sorge jetzt der Transport zum Flughafen ist, weil sich irgendwie niemand finden lässt.
Da meinte sie, dass das kein Problem ist, weil ihre Schwester ein Auto hat! Also hat sie zwei Telefonate geführt und jetzt fährt mich ihr Cousin mit dem Auto ihrer Schwester. Begleitet werde ich von meiner Gastmum, Lundiwe und Nombonga (die beiden Töchter von Mrs. Mbona). Wann wir dann fahren ist noch nicht klar, das hängt davon ab, wann der Fahrer kommt. Aber eben frühestens so gegen 9 oder 10 Uhr. Wegen Spritgeld meinte sie, ich soll mal 300 Rand mitbringen, das dürfte auf jeden Fall reichen. Ist immer noch besser als 400!

 

Später haben wir uns nochmal unterhalten und sie meinte, dass sie es schade findet, dass ich nicht noch mehr Zeit hier verbringe. Denn dann wäre sie mal mit mir in den Zoo gefahren, damit ich ein paar Tiere sehe. Oder eben irgendwo anders hin. Ich hab ihr versichert, dass ich wieder kommen werde und sie besuche. Sie hat gesagt, dass sie bis dahin bestimmt ein Gästezimmer haben, denn die Creche zieht auf ein anderes Grundstück um. Das bedeutet, ich habe eine Unterkunft, falls ich mal wieder hier her komme! Wir haben später dann auch Adressen ausgetauscht und sie hat mir versprochen mal zu schreiben. Auf Zulu :).

Um 10 Uhr gab es Rosinenbrot mit Butter als Snack. Allgemein wird hier in Südafrika auf Alles Butter geschmiert, auch auf Kuchen und Muffins. Theoretisch ja nicht schlecht, weil Fett Geschmacksverstärker ist. Blöd ist es nur dann, wenn die Butter salzig ist… Ich habe ein paar Kekse und ein Glas Cola bekommen. Das fand ich gut, weil eben mein Bauch gerade wieder etwas herum spinnt.
Nach dem Essen hab ich den Kindern die Holzklötze gebracht und damit haben sie sich dann den Rest der Zeit beschäftigt. Ich hab mich ziemlich gelangweilt und hab wieder Sudokus auf meinem Handy gelöst. Und mich in die Sonne gesetzt. Und was getrunken. Und aus dem Fenster geguckt. Die Babys haben zum Glück geschlafen, also es waren Thobis und Arvel. Die machen jetzt auch nicht so viel Stress, aber trotzdem ist es so entspannter gewesen. Ich hab mir dann auch mal wieder die Haare von oben runter geflochten. Das konnte ich davor nicht, aber ich hab es hier zwei-, dreimal gemacht und jetzt klappt es richtig gut! Die Frisur werde ich mir auch für den Rückflug machen, denn sie ist praktisch. Meine Haare sind nicht in meinem Gesicht und ich kann mich trotzdem gut mit dem Kopf anlehnen. Das geht ja z.B. bei einem Pferdeschwanz nicht.

 

Um dreiviertel 12 wurde ich heimgeschickt. Die endgültige Verabschiedung haben wir auf Samstag geschoben, denn da werden wir uns ja nochmal sehen. Morgen werde ich die Zeit nutzen, um in Ruhe zu packen. Das dürfte eigentlich kein Problem sein, denn ich weiß ja, was ich alles mitnehmen will und ich hab schon öfters gepackt. Bis dahin dürfte auch die Wäsche trocken sein. Obwohl gerade die Sonne nicht immer scheint, ist es außen warm genug und es geht ein leichter Wind. Also perfektes Wäsche-Trocknen-Wetter.
Ich hab dann die Zeit genutzt, um meinen mp3-Player neu zu bespielen, also alle Lieder runterlöschen und dann neu hinzufügen. Denn es sind einfach viel zu viele Lieder drauf, die ich nie höre. Warum sollen die dann Speicherplatz einnehmen. Ich wollte das eben gerne noch vor dem Rückflug machen, damit ich da meine neue Musik genießen kann. Außerdem hab ich sowieso viel Zeit.

 

Später bin ich noch mit meinem Gastbruder zur Mall gegangen. Seit gestern ist er wieder da und das hat mich schon gefreut. Auch der Gang zur Mall war eine willkommene Abwechslung und etwas Bewegung ist nie schlecht. Leider war es nur ziemlich warm und somit recht schwitzig. Ich habe alles bekommen, was ich gesucht habe. Statt einer kleinen handlichen Taschentuchpackung habe ich ein größeres Paket, weil es keine einzelnen, kleinen Packungen gab. Und mehrere haben viel gekostet, so viel hatte ich nicht mehr. Aber das wird schon passen.
Wieder daheim hab ich gleich ein Glas kalten Kakao getrunken. Weil ich das Kakaopulver sowieso noch aufbrauchen musste, und kalte Milch erfrischt auch. Die Wäsche ist fertig gewaschen und hängt zum Trocknen im ganzen Garten. Da es jetzt doch warm ist, wird das schnell gehen. Sollte es auch, denn für den Abend sind Gewitter gemeldet. Wie immer eben, wenn es tagsüber heiß war. Von Schwitzen in Südafrika zu Frieren in Deutschland, das wird eine krasse Umstellung werden. Ich werde auch ziemlich sicher krank werden. Darauf freue ich mich ausnahmsweise nicht. Aber dafür auf den ganzen Rest, angefangen mit Familie und Freunden über abwechslungsreiches Essen hin zu Weihnachten und Advent.

 

Jetzt genieße ich aber morgen meinen letzten Tag, denn den Samstag werde ich im Auto und am Flughafen verbringen. Das zählt also nicht wirklich. Ich sehe den Freitag einfach als vorgezogenes Wochenende. Da kann ich in Ruhe packen und Abschied nehmen. Und noch mal Sonne und Wärme genießen. Meine größte Sorge ist jetzt nur noch, dass mein Koffer zu schwer wird. Oder dass eben der Rückflug chaotisch wird und alles schief läuft. Aber da ich diesmal in Johannesburg mehr Zeit habe als am Hinflug, dürfte eigentlich alles glatt laufen und ich kann Sonntag Nachmittag meine Familie in Frankfurt in die Arme schließen! Und meine ersten Plätzchen essen :).

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Kommentare: 1
  • #1

    Hermann und Ingrid (Donnerstag, 06 Dezember 2012 21:00)

    Komme gut heim.

    Alles Gute Opa und Oma